Darf man heute noch Hausfrau sein?

Das Kaffeewasser kocht, die Brötchen, frisch vom Bäcker, liegen auf dem Tisch. Die Kinder schlafen noch und der Mann ist schon auf Arbeit. Herrlich dieser Morgen, diese Ruhe, in der man nochmal für sich ist, bevor man gleich etwas mit den Kindern spielt. Keine Hausfrau- Jemals! Trotzdem geraten Hausfrauen schnell unter den Verdacht des „Faul-Seins“. Die Mutter, die nach der Elternzeit keine Lust mehr hatte zu arbeiten. Die Hausfrau, die sich von ihrem Mann aushalten lässt und dafür nichts macht, als zu Hause den Geschirrspüler ein- und wieder aus zu räumen. Und nachmittags natürlich shoppen geht. Mit der Realität hat das wenig zu tun. Umso komischer ist es, dass man sich, gerade vor anderen Müttern und Frauen, immer wieder dafür rechtfertigen muss, wenn man zu Hause bleibt (aber auch, wenn man arbeiten geht, obwohl man Kinder hat!).

Sonja von „Sonjas besondere Welt“ hat zu diesem Thema eine Blogparade gestartet, an der ich mich mit diesem Beitrag beteiligen möchte. Viel Spaß beim Lesen (:

Ich bin zu Hause, kümmere mich um meine Tochter und schau, dass alles seine Ordnung hat. Also ganz klar: ich bin zuständig für Haushalt und Erziehung. Bei uns hat sich das so ergeben und wir waren beiden mit dieser „Fügung“ zufrieden. Immerhin hatte unser Papa schon einen Job, als ich immer noch zur Uni ging. Ich war also von je her flexibler und mehr zu Hause. Und auch nun, wo wir unsere zweite Tochter erwarten, bin ich „natürlicher Weise“ zu Hause, zum Einen durch den Umzug, zum Anderen durch die Schwangerschaft. Mir macht es Spaß die Tage mit meiner Tochter zu verbringen, die Umgebung zu erkunden und habe mir zu Hause meine Routinen geschaffen.  Aber ich habe das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Etwas persönliches, etwas für mich. Auch wenn ich mit der Situation zufrieden bin, weiß ich tief in mir, dass das nichts ist, was ich ewig machen möchte.

Eine gute Freundin erwartet gerade ihr viertes Kind. Sie war mit den ersten dreien zu Hause und auch jetzt wird sie zu Hause bleiben und sich um die Kinder und den Haushalt kümmern. Auch wenn es viel Nerven und Geduld erfordert, wie sie mir in den wenigen ruhigen Minuten erzählt, ist sie vollkommen zufrieden mit ihrer Entscheidung, mit dem Weg, den sie als Frau eingeschlagen hat. Und das verrückte: ich glaube es ihr. Sie zählt zu den Frauen, die einfach voll und ganz Mutter sind. Und wenn sie mir nächstes Jahr erzählt, dass sie sich noch ein fünftes Kind vorstellen könnte, dann glaube ich ihr auch das, einfach weil es zu ihr passt.

So verschieden kann das sein. Und mit ‚das‘ meine ich die Mütter, die Familien und die Situationen, in denen sich die Familien befinden. Aber genau das zeichnet doch auch unsere heutige Gesellschaft aus, oder? Verschiedenheit, Gestaltbarkeit, Wahlfreiheit. Wir können heute sein, wer wir wollen und tun was uns beliebt. In der Theorie schon, wenn da nur nicht die lieben Altlasten wären. Denn heutzutage können wir zwar machen was wir wollen, aber vor allem Frauen müssen sich ständig dafür rechtfertigen und sich erklären. „Jahrelang mussten Frauen in der Küche stehen und durften sich nicht selbst verwirklichen. Nun haben sie sich dort endlich heraus gekämpft und du willst nun einfach so zurück??“ „Aber dir ist klar, dass, wenn du nicht zu Hause bist, dein Kind fremdbetreut wird und die Familie definitiv zurückstecken muss. Kannst du das als Mutter einfach so in Kauf nehmen, nur weil du arbeiten möchtest?“

Aber mal ganz abgesehen von den Kommentaren von anderen Müttern und Nicht-Müttern und allen, die gerne ihre Meinung teilen, ist die Entscheidung um die Arbeitsteilung im Haushalt und Erziehung nichts, was man eben mal so festlegen kann oder von anderen abhängig machen sollte. In diese Entscheidung spielen so viele Faktoren mit rein, dass es schier unmöglich ist sie zu verallgemeinern oder mit anderen Familien zu vergleichen. Viele Faktoren? Entweder man bleibt zu Hause, oder bleibt es nicht. Aber natürlich ist es nicht so leicht. Wenn die Frau arbeiten möchte und sich gegen das Hausfrauen Dasein entscheidet, muss man sich fragen: Gibt es überhaupt Betreuungsmöglichkeiten für das Kind? Wir zum Beispiel haben keine Verwandten in der Nähe und sind an öffentliche Betreuungsgebote gebunden. Keine Oma, die mal eben das Kind aus der Kita holt, keinen Opa, der es mal eben Abends ins Bett bringt, wenn die beiden Eltern bei einer Weiterbildung sind. Der Kindergarten, mehr nicht, denn ein Babysitter ist ganz schön kostspielig. Das schränkt ganz schön ein! Und ist das Kind überhaupt soweit fremdbetreut zu werden? In dem Moment, in dem ich diesen Satz geschrieben habe, klang mir gleich wieder ein „wenns nicht anders geht, dann ist es halt so“ in den Ohren. „Da muss das Kind durch“. Muss es das? Hanna war von klein auf ein Aufstehmännchen, dass immer mehr wollte, raus wollte. In der Kita konnte sie endlich den großen Kindern zuschauen und von ihnen lernen. Das soll nicht heißen, dass sie zu Hause nichts gelernt hätte, ich mich nicht mit ihr beschäftigt hätte, aber bei ihr hat man gemerkt, dass sie auch noch diese andere Quelle der Inspiration, wenn ich es mal so nennen darf, brauchte. Sie ist durchaus auch gerne zu Hause oder streift mit mir durch die Gegend, aber die Möglichkeiten im Kindergarten sind halt nochmal anders. Aber Kinder sind halt unterschiedlich und manche Kinder sind lieber noch ein Jahr zu Hause oder lassen es langsam angehen. Also, wenn man wirklich die Wahl hat, warum dann die Entscheidung überstürzen oder davon abhängig machen, dass das Kind (angeblich) früh täglich mit anderen Kindern spielen muss, um sich altersgerecht zu entwickeln, also in die Kita sollte, wie man so oft hört (und hier verdrehe ich jetzt mal die Augen). Ich muss zugeben, ich schaue auch immer ganz ungläubig und frage noch drei Mal nach, wenn mir eine Mutter erzählt, dass sie ihr zwei jähriges Kind lieber erst mal zu Hause lässt und nicht vorhat es in den Kindergarten zu schicken. „Wie, der geht nicht in den Kindergarten??“ Ich frage oder sage das aber nicht, weil ich denke, dass Kinder mit einem Jahr unbedingt in die Krippe sollten, oder das irgendwie abwertend meine. Sondern einfach, weil ich es mir für uns nicht vorstellen könnte in diesem Moment. Das heißt aber nicht, dass diese Entscheidung nicht respektiert werden sollte, denn Hausarbeit und Erziehung ist Arbeit. Es ist anstrengend und kräftezehrend. Und es ist beschämend, dass Frauen immer noch um die Anerkennung für diese Arbeit kämpfen müssen. Nicht mal echte Anerkennung, sondern nur ein „du kümmerst dich also um die Kinder“!

Wenn eine Frau also Hausfrau und Mutter sein möchte,  und dies ist wohl (leider) heute mit einer der entscheidenden Punkte, kann sie sich das  überhaupt leisten? Man muss essen, sich kleiden, leben und das kostet. Da muss jede Familie für sich schauen, ob es überhaupt möglich ist mit einem Einkommen zurecht zu kommen. Oder in wie weit man bereit ist Abstriche zu machen. Wir machen Abstriche. Viele Abstriche, aber es geht und damit konnte ich mich dafür entscheiden zu Hause zu bleiben, bzw. unsere zweite Tochter direkt im Anschluss an mein Studium zu bekommen, ohne zwischendurch erst arbeiten zu gehen. „Waaaaaaas, das zweite Kind und du warst noch nicht arbeiten? Ab jetzt wird es doch immer schwerer für dich, wie willst du das mal schaffen?“. Ich gebe zu, der Grundgedanke, der dahinter steht ist nicht ganz falsch, bzw. sollte auch berücksichtigt werden. Ich war und bin schwanger, klar, ich bin ja auch die Frau hier bei uns. Und ich bleibe zu Hause. Das heißt: weniger Zeit um Arbeitserfahrung anzuhäufen und weniger Arbeit um für die Rente zu scheffeln (Rente, welche Rente?). Das sind zwei Dinge, die sich negativ auf mein Leben auswirken, und zwar nur auf meins in erster Instanz, und das, obwohl wir als Familie eine Entscheidung getroffen haben. Aber auch das ist etwas, was man persönlich für sich und mit seiner Familie ab- und besprechen muss.

 

Also darf man heute noch Hausfrau sein?

Klar darf man. Wenn man die Frage beantwortet hat, ob man das überhaupt möchte, muss man sich nur noch mit den Reaktionen der anderen auseinandersetzen. Und die kommen, egal ob man daheim bleibt, oder arbeiten geht. Interessant ist doch hier eher, was einen wirklich ärgert, oder traurig, oder was auch immer macht. Vielleicht ist es die Meinung der Anderen. Das jemand, den man gut kennt, oder auch gar nicht kennt etwas Bestimmtes denkt, sich eine Meinung gebildet hat. Aber was motiviert andere überhaupt dazu dergleichen zu sagen? Erstaunlich selten ist es Mitgefühl oder eine echte Sorge, sondern eher Neid und Unverständnis. Vielleicht, weil sich die Person nicht entscheiden konnte, sondern zu dem Einen oder Anderen gezwungen wurden (zum Beispiel aus finanziellen Gründen), oder mit ihrer Entscheidung nicht zufrieden ist (zum Beispiel weil derjenige unbedingt arbeiten wollte, nun aber merkt, dass alles etwas viel wird und die Zeit mit den Kindern stark eingeschränkt ist, im Gegensatz zur Zeit zu Hause). Oft ist es auch unhinterfragtes Weitergeben von öffentlichen Meinungen. Nichts nervt mich mehr als der Satz: „Das macht man halt so“. Wer ist man und was ist so? Und warum sollte ich genau das machen was ‚man‘ macht?

Aber vielleicht beschäftigen uns andere Meinungen auch, weil wir uns selber nicht sicher sind, bei den Entscheidungen, die wir getroffen haben. Also weil wir Angst haben, dass die Anderen Recht haben könnten. Mute ich mir zu viel zu? Oder meinem Kind? Geht das ganze gut aus?

Das weiß niemand, aber ich bin der Meinung, dass man Entscheidungen, vor allem so wichtige, die die Familie und die Zukunft betreffen, nicht einfach so fällt, sondern genau überlegt und abwägt. Klar hätte man alles auch anders machen können, aber es gibt meist gute Gründe für den Weg, den man eingeschlagen hat. Und niemand sollte verlangen, dass man sich ständig dafür rechtfertigt oder sich erklärt!

 

Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Wenn ihr das anders seht, oder vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht habt lasst mir gerne eure Meinung da!

Liebe Grüße,

eure Jenny

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