Eingewöhnung in den Kindergarten – Tag 7

Dieser Tag war irgendwie anstrengend. Für Rebekka und auch für mich. Wir kamen nach der Eingewöhnung zu Hause an und waren beide einfach nur müde. Also entweder läuft es einfach nicht gut, oder man merkt mal wieder das Ende der Woche. Ich hoffe ja auf letzteres.

Noch vor dem Start heute morgen hatte ich ein wirklich langes Gespräch mit Rebekkas Betreuerin und mit der zweiten Betreuerin der Gruppe. Sie haben mir natürlich angemerkt, dass ich mich nach Rebekkas Schreien gestern nicht sehr gut gefühlt habe und wollten schauen, wie es mir mit dem Stand der Dinge geht, und mir auch nochmal erklären, was da eigentlich bei der Eingewöhnung passiert. Natürlich ist einem das alles mehr oder weniger klar, aber wenn man in Gedanken wirklich mal durchgeht, was so ein Kind bei der Eingewöhnung durchmacht, dann versteht man das Verhalten natürlich viel besser.

Ich habe offen gesagt, dass ich mich mit dem Schreien gar nicht anfreunden kann und das es mir unheimlich schwerfällt zu denken, dass mein Kind mir das nicht übel nimmt. Ich habe sogar das Beispiel mit der Schlaflernmethode, das ich gestern geschrieben hatte, angeführt, weil ich natürlich Angst habe, das unsere Beziehung hier drunter leidet. Beide Betreuer haben sich wirklich viel Zeit für mich und meine Sorgen genommen, was ich gut fand und was mir auch sehr geholfen hat. Auch habe ich während des Gesprächs immer deutlicher gesehen, was auch öfter benannt wurde: die Eingewöhnung in den Kindergarten ist gar nicht so schwierig. Die Ablösung von den Eltern ist das eigentliche „Problem“.

Das Problem mit der Ablösung

Gestern hatte ich ja geschrieben, dass ich eine Idee hätte, wie es vielleicht besser laufen könnte. Die war nämlich ganz einfach, dass nicht ich von Rebekka gehe, sondern sie von mir. Das sie mich in den Flur begleitet und sie dann von der Betreuerin wieder hineingeführt wird. Ich bin mir sicher, dass es so kein Problem für Rebekka wäre einige Zeit alleine in der Gruppe zu verbringen. Aber während des Gesprächs wurde mir so deutlich: Oops! Natürlich soll nicht Rebekka mich begleiten, sondern ich sie. Warum fällt mir das so schwer? Warum fällt mir der Abschied so schwer? Und ist es das, was es letztendlich auch Rebekka schwer macht?

Na schöner Mist. Das mit dem selbst belügen klappt ja auch wirklich immer ganz toll, das merkt man ja in so mancher Lebenssituation. Eigentlich habe ich eine positive Einstellung gegenüber dem Kindergarten, und auch die Eingewöhnung haben wir so gesetzt und waren alle einverstanden mit diesem Datum. Nun sitze ich also hier und frage mich, was da bei mir hinter verborgenen Türen möglicherweise rattert. Oder ich mach mich nur verrückt und Eingewöhnung ist nun mal so? Ich mach das zwar schon das fünfte Mal (man, mit Hanna haben wir wirklich schon einiges durch!), aber da Rebekka so klein ist fühlt es sich an wie das erste. Was ist da also gerade los?

Bei der Eingewöhnung direkt lief es dann heute mittelmäßig. Solange ich da war gut, als ich meinte, das ich nochmal kurz rausgehe (um zu schauen, ob Rebekka nach dem Versuch gestern nun Hilfe aus der Gruppe annimmt) lief nichts mehr und ich wurde sofort wieder rein gerufen, weil es einfach keinen Sinn ergab. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir das mit der Trennung erstmal noch aufschieben, weil Rebekka einfach noch nicht dazu bereit ist. Also Eingewöhnung cool, Ablösung von mir uncool.

Gefühlschaos bei der Eingewöhnung

Glücklicher Weise kann ich mir mit der Eingewöhnung Zeit lassen, aber ganz zu Hause lassen kann ich sie nicht. Es heißt, es muss irgendwann einen Punkt geben, an dem sie (und ich anscheinend) akzeptieren muss, dass sie in den Kindergarten geht. Ohne mich. In diesem Zusammenhang haben wir heute auch nochmal über Wut gesprochen, was eigentlich wirklich interessant ist. Die meisten Gefühle kann man einfach zeigen. Lachen bei Freude, Tränen bei Trauer zum Beispiel. und man kann sich seine Handlungsmuster überlegen, wie man am besten bei den bestimmten Gefühlen reagieren oder agieren möchte (bestimmt nicht so bewusst, aber ihr wisst, was ich meine).

Bei Wut ist das schwieriger, weil bei Wut meist der Kontakt zu anderen Menschen gemieden wird, man sich zum Beispiel nicht trösten lassen möchten, und Wut auch schnell in Aggressionen übergeht, was natürlich schwierig ist. Das heißt die Kinder müssen lernen mit ihrer Wut umzugehen und dieser ein Ventil zu geben, was gar nicht so einfach ist. Und das merke ich auch an Rebekka: sie wird wütend, schmeißt sich auf den Boden, lässt sich nicht mehr anfassen und weiß einfach nicht wohin mit sich. Sie wütet dann und tobt und kommt ganz schwer wieder runter.

Und man kann natürlich versuchen Konflikte für die Kinder zu lösen, oder Konflikte zu umgehen (wie ich zum Beispiel mit meiner grandiosen Idee :D), aber so lernen die Kinder nicht mit der Wut umzugehen. Das ist aber natürlich unheimlich wichtig für sie! Das heißt Rebekka ist wütend darüber, dass ich sie alleine lasse, obwohl sie das nicht möchte. Und ich kann ihr diese Wut nicht abnehmen, indem ich nicht mehr gehe, oder mein Gehen, wie durch meine graaandiose Idee, zu verschleiern. Sondern ich kann sie begleiten und ich kann den Betreuern die Chance geben sie zu begleiten in ihrer Wut und muss hoffen, dass Rebekka für sich einen Weg findet damit umzugehen.

Schwierig. Ich finde es wirklich schwierig, was die Eingewöhnung nicht einfacher macht. Dazu kommt, dass wahrscheinlich unser Papa, der nächste Woche frei hat, wohl kurzerhand die Eingewöhnung übernehmen muss. (Weshalb, wieso, warum erfahrt, ihr falls es wirklich soweit kommt). Ob das klappt, gut geht, oder furchtbar schief… das bleibt abzuwarten.

Bis dahin,

eure Jenny

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