Umzug mit (Kindergarten-) Kind in ein anderes Bundesland -entscheiden, planen, umsetzen: unsere Erfahrungen

Wie ich ja schon hier beschrieben habe, bin ich schon einige Male umgezogen. Mit Kind vorher allerdings nur ein Mal, und das innerhalb derselben Stadt. Mit Kind in ein anderes Bundesland zu ziehen ist allerdings etwas Anderes, und weil es bei uns gerade aktuell ist, habe ich mich entschlossen, diesem Thema meinen ersten Post zu widmen.

Da es dazu doch einiges zu schreiben gibt, werde ich das Thema etwas aufteilen. Hier im ersten Teil geht es vor allem um die Umstände des Umzuges und die Planung. In einem zweiten Teil wird es dann um die konkrete Umsetzung, also vor allem um den Umzugstag, und ein paar Ideen für Essen während des Umzugs, gehen, da ich bemerkt habe, dass es echt ganz schön anstrengend werden kann, trotzdem noch jeden Tag etwas halbwegs Ordentliches auf den Tisch zu bringen. In Teil drei möchte ich ein Buch vorstellen, auf das ich zwar im nächsten Post schon kurz eingehe, aber das uns so gut gefallen hat, dass ich ihm auf jeden Fall einen eigenen Post widmen möchte. Abschließen möchte ich die Reihe mit einem Beitrag zu „Zugfahren mit Kindern“. Das stellt eigentlich ein eigenes Thema dar, da ich aber im Laufe der Stadt- und Wohnungssuche mit Hanna so oft Zug fahren musste, und mir da das ein oder andere aufgefallen ist, möchte ich es gerne  hier noch anschließen.

Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

Stadtbesichtigung

Es gibt ja viele Gründe warum man Umziehen muss, kann, möchte. Dabei ist es etwas völlig anderes nach oder wegen einer Trennung um zu ziehen, als wenn man sich entscheidet, als Familie irgendwo einen Neuanfang zu starten. Auch macht es einen Unterschied, ob das Kind ein Baby ist, in den Kindergarten oder schon zur Schule geht. So viele Gründe wie es gibt, so viele Möglichkeiten gibt es auch, einen Umzug zu gestalten. Von monatelangen Umzugsplanungen bis hin zum Umzug innerhalb eines Monats ist alles möglich. Und auch hier gilt natürlich, dass das einen riesigen Unterschied macht.

Unser Umzug stand schon lange vor der konkreten Planung fest, nämlich seit dem Tag, an dem wir uns dafür entschieden haben, dass unser Papa einen Job im Allgäu annimmt. Nicht gerade um die Ecke, wenn man gerade in Thüringen wohnt. Aber wir haben uns lange mit der Entscheidung beschäftigt und fanden, dass das für uns als Familie eine gute Möglichkeit ist, auch wenn so ein kompletter Neuanfang natürlich nicht leicht ist.

Hanna wurde von Anfang an mit einbezogen. Wir fanden es wichtig sie nicht einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen und damit zu überrumpeln. Sie ist zwar noch jung mit ihren 4 Jahren, aber sie hat auch schon ein festes Umfeld und soziale Kontakte, Freunde und Gewohnheiten. Das heißt nicht, dass sie voll mit entscheiden konnte (wie auch? Selbst mit den ausführlichsten Erklärungen kann sie die Konsequenzen natürlich nicht abschätzen oder voll verstehen). Sondern wir haben ihr von Anfang an erklärt, was wir vorhaben und was das für uns und für sie bedeutet. Da ich vor unserem endgültigen Wegzug aus Thüringen noch mein Studium, oder zum mindestens die Kurse, beenden musste, lagen am Ende zwischen der anfänglichen Idee und der tatsächlichen Umsetzung 1 ½ Jahre. Das war sehr viel, vor allem für Hanna, da sie ja dadurch ihren Papa meistens nur am Wochenende sehen konnte. Trotzdem haben wir uns bemüht mit der Zeit vor dem Umzug und mit dem Umzug selber immer etwas Gutes zu verbinden, da ich schon oft die Erfahrung gemacht habe, dass Kinder sehr feinfühlig sind und schnell Erwartungshaltungen, Meinungen und Ängste von Erwachsenen übernehmen, auch wenn sie sie nicht direkt teilen oder verstehen. Das heißt nicht, dass ich schwere Situationen heruntergespielt habe, oder Momente in denen ich mich alleine oder einfach müde gefühlt habe (und die gab es natürlich, ich war 1 ½ Jahre fast vollständig mit meinem Kind alleine neben Studium und Teilzeitstelle) einfach ignoriert habe. Ich habe versucht ihr zu zeigen, dass das nur eine Phase ist die wir durchstehen müssen, bevor wir wieder alle zusammen wohnen können. Es ist erstaunlich, wie viel Kinder verstehen, wenn man sich nur die Mühe macht es ihnen „kindgerecht“ zu erklären! (Zum mindestens das, was man erklären kann. Wir selbst wussten auch nicht genau, was uns erwartet, immerhin hat sich so gut wie alles geändert: sozialer Umkreis, Gebräuche, Dialekt, Landschaft, Größe der Stadt, Kultur (und man hört ja, wie eigen die Bayern sein können 😉 )

Abgesehen von dem „emotionalen Stress“ vor und während des Umzugs ist es natürlich auch nicht leicht einen Umzug in ein anderes Bundesland zu planen. Wir haben immerhin knapp 350km Luftlinie zwischen uns gelassen, mit dem Auto knapp 500km! Man ist viel auf online Gesuche und Anzeigen angewiesen; Besichtigungen müssen gut geplant sein, den eine Fahrt dauert sehr lange. Da kann man nicht einfach mal so jedes Wochenende Wohnugnen anschauen fahren.

Wie haben wir also den Umzug geplant? Grob kann man das Ganze in Phasen einteilen, die ich auch hier beschreiben möchte.

Phase 1: Festlegen auf einen Wohnort

Ich bin in der Hauptstadt aufgewachsen, mitten im Herzen von Berlin. Auch wenn mir kleinere Städte ganz gut gefallen muss ich mich Schritt für Schritt daran gewöhnen und brauche auf jeden Fall ein wenig Leben um mich herum.  Ich habe ziemlich genaue Vorstellungen davon, wo und wie ich wohnen möchte und das muss erst mal gefunden werden! Also ging es bei uns im ersten Schritt auf die Suche nach einer passenden Stadt. Grob orientiert haben wir uns dabei an Lage, Umgebung und Einwohnerzahl. Wenn man so weit weg wohnt geht die Suche natürlich erst mal nur rein theoretisch über Googlemaps und die eigenen Stadtseiten.

Da für uns Pendeln von Anfang an eine Option war, waren wir auch zum Glück nicht an einen bestimmten Ort gebunden, sondern konnten in einem Umkreis suchen (zu lang sollte die tägliche Fahrt nicht werden, aber das kann ja jeder individuell für sich entscheiden, welche Fahrzeit er für sich und seine Familie für noch tolerierbar hält!) Als wir uns für ein paar Städte entschiedenen haben, haben wir eine kleine „Touri-Tour“  durchgezogen: Hingefahren, Städte und Umgebung ein wenig angeguckt und dann ganz einfach nach Gefühl entschieden. Bei uns war es nun so, dass uns keine der Städte gefallen hatte, die wir nun schon in unsere theoretischen Top 3 genommen hatten. Und nun? Weitersuchen und das ganze nochmal! Und schon bei der nächsten Auswahl hatten wir Glück. Die Stadt hat uns auf Anhieb gefallen und es gab alles, was für uns wichtig war (es gibt echt mehr Sachen, an die man sich gewöhnt hat, als man denkt. Für uns waren z.B. verschiedene Einkaufmöglichkeiten wichtig, da ich Wert auf unser Essen lege und gerne in der Küche herumexperimentiere und dafür dann natürlich auch immer mal verschiedenes brauche! Da ich gerne und viel mit Hanna laufe und im Sommer sehr viel mit ihr draußen unterwegs bin, leider aber noch keinen Führerschein habe, war auch die unmittelbare ländliche Umgebung wichtig. Dazu kamen noch verschiedene Kleinigkeiten, die wir geklärt haben und dann vor Ort entschiedenen haben, auf was wir verzichten könnten und auf was nicht). Hanna war bei den Stadtbesichtigungen beide Male dabei und erstaunlicher (und schöner) Weise hatte sie genau die gleiche Meinung wie wir: die ersten Städte haben ihr nicht besonders gut gefallen und bei der letzten war sie gleich begeistert, genau wie wir (:

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Egal, wie man die Suche nach einer passenden Stadt oder Ort gestaltet, wenn sie über eine so große Entfernung gemacht werden muss, rate ich so viel wie möglich miteinander zu verbinden. Die „Touri-Tour“ haben wir extra kurz gehalten und gleich die drei Städte angeschaut, da wir wussten, dass man eh nicht mehr als einen ersten Eindruck bekommen, bzw. sehen kann. Gleich geeignete Wohngebiete und Kindergärten zu finden ist eher unrealistisch, deshalb haben wir uns darauf beschränkt uns erst mal so gut wie möglich auf eine Umgebung festzulegen, damit wir nicht für jede Stadt ein anderes Wochenende runterfahren mussten. Als uns klar war, in welche Stadt wir ziehen wollen kamen dann natürlich die Fragen nach den geeigneten Stadtvierteln und „familienfreundlichen Bereichen“ auf. Wir haben vorher in einem Familienviertel gewohnt, das heißt sehr ruhig, viele Kindergärten und Spielplätze und das hat uns sehr gut gefallen. Nur, wie findet man so eine Gegend, ausgeschildert sind die ja leider nicht, bzw. wie wir festegstellt haben: nicht jede Stadt hat Gegenden, die direkt für Familien gemacht zu sein scheinen! Auch wenn ich mir dabei etwas blöd vorkam habe ich einfach nachgefragt, als wir gerade die Stadt besichtigt hatten. Da wir vom ersten Moment überzeugt waren, dass wir hier hinziehen wollten, konnte ich die Tage, die wir zum angucken und suchen eingeplant hatten dann schon anfangen zu schauen, in welchen Bezirken ich dann Wohnungen suchen könnte. Da ich in der ganzen Stadt kaum Spielplätze gefunden habe, habe ich dann einfach eine Mutter gefragt. Natürlich im ersten Moment etwas komisch, jemand komplett Fremden anzusprechen (zum mindestens geht es mir so), aber es hat sehr geholfen!

(Zwischen-)Phase 2: Erste organisatorische Dinge klären

Da schnell klar war, dass ich den Umzug fast alleine planen müsste, wollte ich, auch schon vor der konkreten Wohnungssuche, ein paar organisatorische Dinge klären. Da man (oder nur ich? :D) im Eifer des Gefechts schnell mal das ein oder andere wichtige vergisst, habe ich angefangen mir Listen zu machen, und zwar für: kommende Um- und Abmeldungen (Oh man, muss man vielen Leuten schreiben wenn man umzieht!! Für Ab- und Ummeldelisten bin ich meine Ordner und meine Geldbörse durchgegangen und habe dort Unterlagen und Kundenkarten rausgesucht, denn den allen muss die neue Adresse zugesandt werden), Kindergärten (Kindergartenplätze sind oft ein Mangel, deshalb sollte man sich echt schon früh wenigstens über die Möglichkeiten informieren!) und Möbel, denn bei uns stand von Anfang an fest, dass wir viele Möbel nicht mitnehmen werden. Also habe ich geschaut, was verkauft, verschenkt und was weggeschmissen werden muss (Sperrmüll muss immerhin auch frühzeitig angemeldet werden).

In der Zeit haben wir viel mit Hanna über den Umzug gesprochen, ihr alles erklärt. Ich habe oft gelesen, dass bei Kleinkindern das Besprechen von Umzügen nicht viel Sinn macht, weil das zu abstrakt ist und sie das nicht begreifen. Ich denke aber, dass das vom Kind abhängt, und was heißt schon Kleinkind? Klar mit 2 Jahren können sie damit noch nicht viel anfangen, aber wann dann? Wo liegt die Altersgrenze? Gibt es die überhaupt? Das würde ja heißen, dass sie das von einen Tag auf den anderen verstehen könnten… Eltern können ihre Kinder am Besten einschätzen und ich wusste, dass Hanna dem schon folgen kann. Es geht ja nicht darum, dass sie jeden einzelnen Beweggrund verstehen und sich aller Konsequenzen bewusst sind, sondern einfach nur, dass sie Teil der Entscheidung und des Prozesses sind, und das ihnen erklärt wird, dass das Leben, so wie sie es bis jetzt kannten, bald nicht mehr sein wird, dass sich viel ändern wird, aber dass das etwas Gutes sein kann. Hanna hat zum Beispiel ein größeres Zimmer bekommen, in dem sie endlich freier spielen kann und wir wohnen jetzt als Familie wieder zusammen. Das sind zwar nur zwei Faktoren von vielen, aber darauf konnte sie sich auf jeden Fall freuen! Natürlich haben wir auch besprochen, was es für negative Veränderungen mit sich bringt, und das wir traurig sein werden aus unserer gewohnten Umgebung weg zu müssen, dass sollte nicht verschwiegen werden. Aber wenn man sich selber auf den Umzug freut und damit etwas Positives verbindet, dann wird es den Kindern auch leichter fallen ihn an zu nehmen, davon bin ich überzeugt (zum mindestens bei noch „kleinen“ Kindern, bei Jugendlichen ist das gewiss anders).

Phase 3: Die Wohnungssuche

Als nächstes braucht man natürlich eine Wohnung oder ein Haus, bevor man umziehen kann. Das ist manchmal gar nicht so einfach. In den meisten Städten sind Häuser und Wohnungen ein knappes Gut, man muss dementsprechend lange suchen oder Abstriche bei den Wünschen an das neue Heim machen. Da wir Zeit zum Suchen hatten, da ich eh noch mit dem Studium beschäftigt war, konnten wir uns zum Glück ganz genau überlegen, was wir haben wollten, ohne auf das erst beste Angebot angewiesen zu sein. Also ging es im ersten Schritt darum zu überlegen was wir wollen (Haus, Wohnung? Mieten, kaufen?) und dann um Kleinigkeiten. Daraus haben wir uns dann eine Liste gebastelt. Die war sehr praktisch, weil wir so schon vor den Besichtigungen wussten, was wir wollten und auf was wir Wert legen, bzw. auf was wir nötigenfalls verzichten könnten. Zum anderen war so das Vergleichen zwischen den einzelnen Wohnungen am Ende  etwas leichter. Für uns war z.B. die Größe der Wohnung, bzw. die Zimmeranzahl wichtig, wir wollten unbedingt einen Hof oder Balkon, bzw. Terrasse haben. Auch war uns die unmittelbare Umgebung wichtig, da ich alles gut zu Fuß erreichen muss (vor allem Einkaufs- und Spielmöglichkeiten für Hanna). Außerdem kam für uns nur Dach- oder Erdgeschoss in Frage. Andere Punkte, über die man vor der Besichtigung reden könnte sind z.B. unmittelbare Nachbarn (wie groß soll das Haus sein?), sind Tiere erlaubt (wenn man z.B. plant sich bald einen Hund anzuschaffen) oder auch der Zustand der Wohnung (muss sie selber renoviert, also Zeit investiert, werden? Wie ist der Zustand der Installationen? Ist man bereit da Abstriche zu machen?).

Als wir Wohnungen gesucht hatten, haben wir, wegen der Entfernung, natürlich versucht so viele Wohnungsbesichtigungen wie möglich auf ein Wochenende zu legen. Am Ende waren es dann (nur) fünf Wohnungen die wir uns angeschaut haben, und das an zwei Tagen. Da haben wir einfach unsere Liste rausgeholt und haben alles eingetragen. Das kommt vielleicht auf den ersten Blick etwas spießig oder merkwürdig rüber, aber nach der dritten Wohnung konnten wir uns schon nicht mehr recht an alle Details der ersten Wohnung erinnern. So brauchten wir nur nachschauen! Hanna haben wir auf alle Besichtigungen mitgenommen und geschaut wie sie auf die einzelnen Wohnungen reagiert. Und ich muss sagen, bei der Wohnung war es am Ende wie bei der Stadt: Wir waren uns alle drei sofort einig. Obwohl Hanna natürlich alle Wohnungen „gut“ fand war sie bei unserer jetzigen Wohnung viel freudiger, ist gleich überall rumgelaufen und hat ihr Zimmer ausgesucht (:

 

Das war nun erstmal genug für einen Beitrag, die letzten „Phasen“, nämlich die konkrete Planung und der Umzugstag, werde ich in einem neuen Post beschreiben, der dieses Wochenende noch online kommt!

Ich hoffe euch hat „unser Umzug“ bisher gefallen, oder vielleicht auch geholfen. Lasst gerne Kommentare da!

Liebe Grüße,

eure Jenny

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