Darum haben die Freitagsgedanken einen neuen Namen
Hallo und herzlich willkommen zurück, nur nicht mehr zu den Freitagsgedanken.
Im Zuge der Arbeit an meiner Webseite habe ich mir auch überlegt, dass ich die Freitagsgedanken umbenennen möchte. Beziehungsweise habe ich den Entschluss gefasst, dass ich sie umbenenne, denn tatsächlich denke ich darüber schon ewig nach.
Was sich ändern wird und was dahintersteckt, könnt ihr jetzt hier lesen.
Okay, was sich ändert, zuerst: Nur der Name!
Na gut, und deswegen auch das Titelbild, daran arbeite ich vielleicht noch. Es geht weiter um meine Gedanken und ich plane auch weiterhin, diese Beiträge freitags online zu stellen. Das hilft mir ein wenig mit der Planbarkeit und damit, einen Rhythmus zu haben.
Aber wenn sich sonst nichts ändert, warum dann den Namen wechseln? Und vor allem: Warum daraus einen eigenen Beitrag machen? Denn das hier ist keine Ankündigung. Die hätte ich einfach vor den nächsten Beitrag schreiben können. Das hier ist mein ganzer Gedankengang dazu, der weit mehr ist als: Soll ich den Namen wechseln? Aber damit ihr überhaupt versteht, wie alles verlaufen ist, von vorne.
Meine Idee war es, eine Kategorie zu haben, in der es essaymäßig um meine Gedanken geht. Um Dinge, die ich sehe oder hinterfrage. Die mich wundern oder die ich einfach nur schön finde. Manchmal um etwas, von dem ich denke: Vielleicht kommt es bei dir ja genauso an wie bei mir gerade. Und ich tue mich unfassbar schwer damit, Namen zu finden. Für alles. Etwas Komplexes auf ein Wort herunterzubrechen, ist nicht meine Stärke. Also habe ich damals das genommen, was am naheliegendsten war: Gedanken, die ich freitags veröffentlichen möchte.
Doch seit die Freitagsgedanken so heißen, habe ich genau diesen Gedanken: Das stimmt doch gar nicht. Denn ich habe diese Gedanken nicht freitags! Logischerweise. Ich habe sie irgendwann, schreibe sie auf und veröffentliche sie freitags. Was auch kein großes Ding ist. Und ich glaube, niemand hier ist empört, wenn er das liest. Es ist nur ein Name.
Trotzdem ist da in mir dieses Gefühl, dass es nicht stimmt.
Und warum mache ich daraus jetzt einen Beitrag?
Weil mir das schon sehr oft passiert ist und weil ich daran arbeite, es nicht mehr einfach wegzuschieben. Nämlich ein Gefühl in mir zu unterdrücken, dass sich etwas nicht stimmig anfühlt. Ich habe angefangen, solche Gefühle zu unterdrücken, weil ich mir so oft anhören musste:
„Ach, leg doch nicht alles auf die Goldwaage.“
„Immer bist du so perfektionistisch, das ist doch egal.“
„Das fällt doch keinem auf, da machst nur du dir Gedanken drum.“
Ja. Aber genau darum geht es ja, oder?
Erstens darum, dass es mich beschäftigt. Nicht, weil ich beschlossen habe, heute besonders hohe Ansprüche zu haben. Sondern weil es für mich einfach nicht stimmig ist. Was der Name verspricht, passt nicht ganz zu dem, was du da eigentlich bekommst. Obwohl es wirklich eine Kleinigkeit ist. Das weiß ich. Deswegen hießen sie ja auch ewig weiter so. Aber das Gefühl blieb. Weil ich bin, wie ich bin. Und weil es durchaus typisch sein kann, dass neurodivergente Menschen Dinge anders einordnen, anders empfinden oder andere Zusammenhänge sehen. Das ist für mich ähnlich wie mit diesem starken Gerechtigkeitssinn. Den hat man sich ja auch nicht antrainiert. Man übertreibt nicht einfach mal eben. Da ist ein Gefühl ganz tief in einem. Und nur weil man gesagt bekommt, dass etwas egal ist, wird es nicht automatisch egal.
Zweitens habe ich das „neue“ Berggeschwister umgeordnet, weil ich möchte, dass es mehr zu dem passt, was ich beschreibe. Weil ich jetzt Namen habe für all die Sachen, Gefühle und Gedanken, die ich schon seit Anfang an teile.
Wie sollte ich da eine Kategorie behalten, mit der ich mich nicht ganz wohlfühle, während ich gleichzeitig genau darüber schreiben möchte? Darüber, dass wir genauer hinschauen sollten. Wenn etwas in dir sagt, dass es nicht richtig ist, dann geh der Sache nach. Nicht zwingend sofort. Nicht mit dem Anspruch, alles direkt ändern zu müssen. Aber schau hin, wo es herkommt.
Denn wenn neurodivergente Personen eines gemeinsam haben, dann sind es in vielen Fällen die Kommentare, die sie zu ihren eigenen Gedanken und Gefühlen gehört haben. Dass sie zu viel seien. Zu sensibel. Zu perfektionistisch. Oder dass das, was sie wahrnehmen, gar nicht wirklich da sei. Weil andere Menschen anders empfinden und anders wahrnehmen.
Und da ist es oft einfach leichter, alles für sich zu behalten und die Gedanken beiseitezuschieben. Manchmal geht es nur um Kleinigkeiten, wie einen Kategorienamen. Oft geht es aber um weit wichtigere Themen. Und ich wünsche wirklich jedem, dass er bei diesen Themen nichts beiseiteschiebt.
Damit Willkommen zu den Wegrandnotizen.
deine Jenny

