Dann wurde ich Mutter… – Mein Mann, seine Karriere und ich Blogparade

Das war anders geplant. Alles. Ich gebe zu, bis zum Studium ist mein Leben einfach so vor sich hingelaufen. Mal hier lang, mal dort lang. Aber irgendwann habe ich gemerkt: ich weiß so langsam in welche Richtung das gehen soll. Und es lief gut, sehr viel besser als erwartet. Ich begann zu träumen.

Ich bin sehr froh, dass Berdien von bejewly ihre Blogparade verlängert hat und ich euch in diesem Rahmen erzählen kann, wie das bei uns ist. Wie unser Papa, seine Karriere, ich und meine Karriere verbunden sind. Und das sind wir, denn als Familie ist das ein großes Ganzes, das es zu ordnen und unter einen Hut zu bringen gilt.

Aber von vorne.

Geplant war das anders. Hanna war unterwegs und wir machten uns unsere Gedanken, wie das alles werden soll. Ich habe studiert, unser Papa hat hier sein Leben begonnen, denn er kommt aus Chile und wollte in Deutschland einen Neuanfang. Es war also klar, dass meine Karriere erstmal im Vordergrund steht, weil es einfach deutlicher war, wo sie drauf hinausläuft. Bachelor zu Ende studiert, sofort den Masterplatz bekommen, den Master fix durchgezogen mit dem Ziel Karriere in meine Wunschrichtung. Zum mindestens anfangs, denn mitten im Master hat unser Papa seine jetzige Stelle angeboten bekommen. Die war fest, gut und mit echten Aussichten auf Karriere. Natürlich haben wir uns entschieden, dass er diese Stelle annimmt. Wums. Da war er da, der Punkt, an dem sich alles geändert hat. Unser Papa musste für seinen Beruf das Bundesland wechseln, war nur noch am Wochenende zu Hause. Ich war mit einmal hauptsächlich Hausfrau. Und Mutter. Das Studium lief von einen Tag auf den anderen nur noch nebenbei. Und das, obwohl mir nur noch ein Kurs und die Masterarbeit fehlten. Obwohl ich das Studieren und mein Studienfach liebte. Ich war Hausfrau und (quasi alleinerziehende) Mutter, mehr war fast gar nicht drin. Ich machte den letzten Kurs zu ende und meinte, mich an die Masterarbeit machen zu können. Ich wurde schwanger. Wir zogen um, zum Arbeitsplatz unseres Papas. Die Schwangerschaft mit Kleinkind zu Hause war gar nicht einfach und  Rebekkas Geburt zwei Wochen früher als gedacht. Vorbei war der Versuch meine Masterarbeit schreiben zu wollen. Ich bin im Urlaubssemester. Seit 1 1/2 Jahren. Seit 1 1/2 Jahren bin ich Hausfrau und Mutter und frage mich, wie ich hier eigentlich gelandet bin. Ich hatte Träume, ich bin gut in dem, was ich mache und ich war auf dem besten Weg Dinge zu erreichen, von denen ich nie gedacht hätte, dass es (für mich) möglich ist. Und dann wurde ich Mutter.

Bin ich ich, oder bin ich Mutter?

Ich bin hin- und her gerissen zwischen dem Bedürfnis meinen Träumen zu folgen, oder so viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern zu verbringen. Ich bin hin- und her gerissen die Zeit mit meinen beiden Kindern zu Hause zu genießen,  oder meine Kinder fremdbetreuen zu lassen, damit ich endlich mein Studium beenden kann (warum machst du das eigentlich nicht nebenbei, du bist doch eh die ganze Zeit zu Hause?). Ich bin hin- und her gerissen zwischen mir als Mutter und meinem Selbst, oder besser dem Selbst, dass ich mir erträumt habe. Ich bin gerne Mutter. Aber ich wäre gerne noch mehr.

Darf ich das überhaupt? Darf ich mehr wollen? Ich bin Mutter zweier toller, grandioser Kinder, die ich über alles liebe und mit denen ich gerne Zeit verbringe. Darf ich dann also überhaupt einen Gedanken daran verschwenden, dass ich gerne studiert habe? Darf ich an meine Träume zurückdenken? Denn immerhin haben wir als Familie beschlossen, dass ich zurückstecke, zugunsten der Karriere unseres Papas. Oder? NEIN! Unser Papa hat sich mit meiner Unterstützung für seine Karriere entschieden, ich mich aber nie für das Hausfrauendasein. Das gab es im Paket gratis dazu. Damit, dass wir uns entschlossen haben die Karriere unseres Papas zu unterstützen, voranzutreiben, habe ich besiegelt, dass ich meine hintenan stelle und mich erstmal vorrangig um Haushalt und Kinder kümmere.

Und hier sitze ich nun. Sitze und lese Beiträge von Frauen wie Theresa, die tagtäglich das Dilemma spüren, in dem sie als Frau stecken. Vermehrt melden sich Eltern zu Wort, die genau das gleiche durchmachen. Und es sind vor allem Frauen, die sich da melden. Es sind vor allem Frauen, die nach der Geburt des Kindes mit sich ringen. Es sind vor allem Frauen, die auf einmal zur Hausfrau geworden sind, obwohl sie die Möglichkeit zu einer Karriere hatten. Es sind vor allem Frauen, die zu Hause bei den Kindern bleiben, weil es das Richtige zu sein scheint. Männer werden zu Vätern, aber das ändert nicht ihr Selbst. Wenn Frauen zu Müttern werden, dann tut es das sehr wohl. Es scheint, als ob der Übergang zur Mutterschaft 90% der Eigenschaften einer Frau verdrängen würde. Nach der Geburt ist sie Mutter. Und sie ist alles, was die Gesellschaft sich von der Mutter verspricht: fürsorglich, geduldig, lustig und immer da. Für alle. Außer für sich selber. Sie setzt sich für die Bildung und Erziehung ihrer Kinder ein, und stellt die eigene hintenan. Und wehe sie macht das nicht! Rabenmutter!

Und wenn ich mein Kind einfach fremdbetreuen lasse?

Also ich wohne hier eindeutig im falschen Bundesland, um mir überlegen zu können nun voll durchzustarten und Karriere auf der Höchststufe zu machen. Ich wohne hier im Hausfrauenland. Hausfrauen und Mütter selbstverständlich. Es ist nicht möglich, und damit auch sicher einfach nicht gewollt, dass Frauen hier richtig arbeiten. Die meisten Kindergärten machen über Mittag eine Stunde zu und das höchste der Gefühle ist eine Betreuung bis 16:30. Damit ist schon mal klar, das ich die Kinder bringen und holen muss, weil das weit vor dem Dienstschluss und -Beginn unseres Papas liegt. Krippenplätze und einen Hort/ eine Nachmittagsbetreuung? Fast nicht gegeben, und wenn dann sind die 5 Plätze schon lange im Voraus ausgebucht. Also ist Frau hier Hausfrau und Mutter.

Ich muss zugeben, ich bin niemand der seine Kinder 10, 11 Stunden fremdbetreuen lassen würde. Ich kann mir vorstellen, dass das in manchen Fällen notwendig ist, ich kann mir vorstellen, dass einige Familien das so machen wollen. Ich könnte das nicht. Ich möchte Zeit mit meinen Kindern verbringen. Ich möchte mit ihnen draußen sein, ich möchte wissen, was bei ihnen los ist. Ich möchte, dass sie mich dann und wann in den Wahnsinn treiben und ich möchte mich dafür revanchieren. Ich möchte Familie.

Warum muss ich mich überhaupt entscheiden?

Alles, was nach der Geburt eines Kindes passiert, scheint vorbestimmt zu sein. Die Frau bekommt das Kind, sie wird es stillen (selbstverständlich! Denn das ist natürlich das beste für das Kind, oder?), also ist es klar, dass auch sie beim Kind bleibt, und das heißt mindestens ein Jahr. Hier, wo ich wohne, sind es drei Jahre, die man dann als Frau zu Hause verbringt (Es ist ja auch selbstverständlich unverantwortlich das Kind früher wegzugeben, wie soll es denn sonst eine sichere Bindung aufbauen, mh?). Warum die Frau? Na weil sie stillen muss! Und weil der Mann meist das bessere Einkommen hat. Scheiß Gender pay gap. Also bleibt die Frau zu Hause und wird Hausfrau und Mutter. Und selbst wenn sie sich entscheidet nach der Elternzeit wieder in den Beruf einzusteigen, schwebt die Frage nach dem erneuten Arbeitsausfall wegen Schwangerschaft und Elternzeit, Krankheiten der Kinder und und und über ihr, die den Wiedereinstieg erschwert. Wenn die Frau ein Kind bekommt wird sie Mutter. Eine Mutter. Es ist nicht eine weitere Eigenschaft, den sie zu ihrem Selbst zählen kann, sondern es wird ihr Selbst. Also bleibt der Mann der Hauptverdiener und die Frau nimmt, was sie bekommen kann. Sie sitzt in der Hausfrauenfalle.

Und ich fürchte, da sitze ich auch. Ich bereue nicht die Entscheidung beide Kinder während des Studiums bekommen zu haben. Es hat wunderbar zu uns gepasst, ich wollte die freie Zeiteinteilung mit meinen Kindern und habe sie auch voll genutzt. Und die Entscheidung, dass unser Papa den Job hier in Bayern annimmt, haben wir beide getroffen, auch die würde ich nicht unbedingt wieder rückgängig machen (auch wenn ich Thüringen wirklich sehr vermisse). Und doch sitze ich nun hier, koche Mittagessen, Abendbrot, überlege mir Tagesaktivitäten und bringe Hanna zu Spieletreffs. Musiziere mit Rebekka, wasche Klamottenberge, räume zweimal täglich die Küche auf. Und das, obwohl meine Karriere die ganze Zeit in der Warteschleife hängt. Ich hatte Träume, aber auf dem Weg dahin wurde ich Mutter. Und nun habe ich das Gefühl, dass meine Karriere zu Ende ist, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Ob ich übertreibe? Vielleicht ein bisschen. Denn immer noch ist alles möglich, ich muss mich nur für eins entscheiden, habe ich das Gefühl. Meine Kinder, oder meine Karriere. Es gibt auch Mütter, die sich dafür stark machen, dass Kind und Karriere sich nicht widersprechen, ich bin mir nicht sicher. Dafür braucht man sicher noch Hilfe von außen, die bei uns einfach nciht gegeben ist, da wir keine Verwandten in der Nähe haben. Ich bin mir nur sicher, dass keine Frau in der Hausfrauenfalle stecken bleiben sollte (was nicht heißt, dass Frauen nicht Hausfrauen sein sollten, wenn sie das möchten). Wie ich schon mal in dem Beitrag „Darf man heute noch Hausfrau sein?“ geschrieben hatte, haben wir uns das Recht erkämpft arbeiten gehen zu können, aber genauso gut auch zu Hause bleiben zu wollen. Auch wenn uns (Frauen) die Altlasten der Geschichte manchmal zu erdrücken drohen, leben wir in einer Gesellschaft, in der alles möglich sein sollte. So düster, wie sich mein Bericht hier also anhört ist es eigentlich gar nicht. Und es betrifft ganz sicher nicht alle Frauen, aber viele. Und es betrifft mich.

Ich bin Mutter und meine Karriere befindet sich in Ruhepause, und das ist in Ordnung, da ich die wunderbare Babyzeit mit meiner zweiten Tochter verbringen darf. Ich bin in das Hausfrauendasein reingeschlittert, ohne dass ich diese Richtung angesteuert hätte (ganz sicher nicht, ich hasse Wäsche waschen). Doch danach möchte ich wieder mehr als nur Mutter sein, möchte wieder das machen, was ich gerne mache und mich an meine Träume erinnern. Wir wir dann unser Leben zu Hause vereinbaren, die Kinder betreuen oder betreuen lassen und den Haushalt schmeißen, muss dann nochmal ganz neu geklärt werden. Wie das dann läuft, werdet ihr hier sehen 😉

Liebste Grüße,

eure Jenny

 

 

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4 Gedanken zu „Dann wurde ich Mutter… – Mein Mann, seine Karriere und ich Blogparade

  1. Beiträge wie diese sind es, die den Leser/innen klarmachen sollten, wie weit wir noch von einem halbwegs familien- sprich kinderfreundlichen Land entfernt sind. Gewiss hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert.

    Der soeben verstorbene CDU-Politiker Heiner Geißler hat in den 1980er Jahren (?) schon kritisiert, dass diese Gesellschaft die Leistung einer berufstätige Frau höher bewerte als die einer Hausfrau und Mutter. Das ist heute noch so. Selbst die Wahlfreiheit existiert im Grund nur auf dem Papier. Viele Haushalte kämen finanziell nicht zu recht, wenn nicht beide arbeiten gingen. Dazu kommt, dass sich die Erwartungshaltung in der Gesellschaft verändert hat. Die Frau hat davon aber nicht profitieren können oder wenigstens nur zum Teil. So bleibt der Spagat, der Männern aber vor allem Frauen damit abverlangt wird.

    Ich hoffe, Sie finden den richtigen Weg für sich und Ihre Familie.

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    • Vielen Dank für den Kommentar und ich sehe das ganz genauso: von kinderfreundlich ist hier recht wenig zu sehen. In der Theorie sind Frauen ein ganzes Stück freier, als noch in den 1950er Jahren, der Hochburg der Hausfrauen. Aber in der Praxis lässt sich das, was es den Familien und Frauen einfacher machen soll Familie und Haushalt mit der Karriere zu vereinbaren, kaum umsetzen bzw. sehen. Zu dem, dass eine Familie meist beide Einkommen braucht kommt ja eben der Umstand, dass es Frauen durch das „Schwangerschafts-“ und „Kinderproblem“ schwieriger in der Berufswelt haben, die Kinder nicht immer betreut werden können und und und. Ich muss zugeben, für mich habe ich es auch schon „aufgegeben“, in meinem Leben noch eine positive Veränderung zu sehen. Alles was ich hoffen kann, ist, dass meine Kinder es besser haben werden, immerhin habe ich zwei Töchter…
      Beste Grüße,
      Jenny

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  2. Liebe Jenny,

    ich bin beeindruckt von Deinem unverblümt offenen Artikel, der einen beispielhaften, aber mit Sicherheit repräsentativen Mama-Alltag beschreibt. Eine Situation, in die viele Frauen sich nicht bewusst begeben, sondern in der sie sich urplötzlich wiederfinden.

    Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten durchaus weiterentwickelt, was unser Elternzeitmodell, die Vereinbarkeit von Kind und Karriere, sowie Betreuungsmöglichkeiten angeht. Doch von einer wirklich kinder- und familienfreundlichen Gesellschaft sind wir noch ein gutes Stück entfernt.

    „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Das ist ein afrikanisches Sprichwort, das mir auf Anhieb gefallen hat. In Afrika kann man sich auch gleich sehr bildhaft den sozialen Zusammenhalt eines ganzen Dorfes vorstellen.

    In unserer westlichen Kultur dagegen sind viele Eltern und ganz besonders auch Alleinerziehende auf sich gestellt. Von einem Dorf zur Unterstützung kann hier nicht die Rede sein, wenn bereits das Bangen um einen Kitaplatz oder eine Mittagsbetreuung die Karriere unplanbar bis unmöglich macht.

    Wirtschaftsunternehmen, wie auch Arbeitgeber im öffentlichen Dienst, werben mit vielverheißenden Schlagworten wie „familienfreundlich“, „Betriebskita“, „flexible Arbeitszeiten“ oder „Home-Office“. Dennoch hört man leider nicht zu selten, dass Frauen, nach ihrer Rückkehr aus Babypause und Elternzeit nur wenig gefördert werden. – Reduzierte Arbeitszeit, Arbeitsausfallrisiko aufgrund kranker Kinder, Einschränkung bei Reisetätigkeit bzw.Tätigkeiten mit internationalem Fokus. Damit ist der Marktwert dann wohl erst einmal reduziert…

    Mama-Sein & Karriere??? – Da gibt’s noch viel zu tun!

    Dir und Deiner Familie alles Gute auf Eurem Weg
    LG Stefanie | windelprinz.de

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    • Hallo Stefanie,
      danke für deine Worte! Ich denke die Problematik der Hausfrau und Mutter gehört mit zu den Themen, die in unserer Gesellschaft ungern an- bzw. ausgesprochen werden. Denn wie du schon schreibst: wir haben uns schon weiterentwickelt, es gibt so viele Neuerungen, die es Müttern einfacher machen sollen, wieder in das Berufsleben zurückzukehren, bzw. als Mutter einer Arbeit nachzugehen. Wir sind freier geworden. Aber leider passt das in den wenigsten Fällen wirklich. Meist rutscht trotzdem noch nie Frau in das Hausfrauendasein und kommt schwer wieder heraus. Ich ich bin ganz deiner Meinung, dass unsere Gesellschaft noch sehr weit von kinderfreundlich entfernt ist. Und Untenehmen machen es da einfach nach, in dem sie nach außen hin Kinderfreundlichkeit signalisieren, die Vereinbarkeit für Frauen und Mütter aber doch nicht gegeben ist! flexible Arbeitszeiten, wie ich sie hier in manchen Jobangeboten gelesen habe, sind zum Beispiel trotzdem nicht mit den Kitazeiten vereinbar. Das Vständnis, wenn Kinder krank werden und Mama zu Hause bleiben muss- geht gegen Null.
      Veränderung braucht seine Zeit, ich kann nur hoffen, dass es weiter voran geht und es Frauen und Müttern in nicht all zu ferner Zukunft leichter Fallen wird ihr Leben mit Kind UND Karriere zu planen!
      Liebe Grüße,
      Jenny

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