
Grenzen setzen – Freitagsgedanken
Am Montag hatten wir das erste Treffen unseres „Arbeitskreis Hochsensibilität“ in Kaufbeuren, was ja nichts anderes ist als eine Art Gesprächskreis, Selbsthilfegruppe oder Austausch unter Gleichgesinnten. Egal wie man es nennt, die Nachfrage war sehr groß in all meinen Infoabenden zur Hochsensibilität, weshalb ich lange geschaut habe, wie es machbar ist. Ich denke dazu werde ich aber nochmal einzeln hier schreiben. Worum es mir geht ist folgendes: Wir haben in zwei Stunden einige Themen besprochen, haben angeschnitten was uns beschäftigt, seit langem oder kurzem, worüber wir manchmal stolpern im Alltag und es hatte tatsächlich alles eine Gemeinsamkeit: grenzen setzen. Deshalb widme ich diesem Thema heute die Freitagsgedanken, weil ich schon zu einigen Erkenntnissen gekommen bin und wir auch einen „Arbeitsauftrag“ ausgemacht haben, vielleicht möchtest du ja mitmachen?
Hochsensible haben in der Regel ja vor allem Probleme mit ihrem Energiehaushalt und ihrer Empathie. Denn auch wenn das viele Fühlen und Bemerken etwas echt Tolles sein kann, so zieht es unsere Energie in solchen Ausmaßen, dass wir regelmäßig platt sind. Mein Gedanke war für den Gesprächskreis, dass wir schauen, wie andere mit den ganzen Reizen umgehen, Strategien anschauen. Es stellte sich aber heraus, dass bei fast allen das größere Thema alles rund um die Empathie war. Ob es das Erfühlen der Stimmung im Raum, das furchtbare Gefühl, wenn zwei streiten, das ständige Streben nach Harmonie, das Aushalten der Themen anderer oder der ständige Drang nach Gerechtigkeit war, es kam immer wieder zu dem Punkt, dass man entweder eine Grenze gezogen hat, was nicht gut aufgenommen wurde, oder lieber eine Grenze gezogen hätte, sich aber nicht getraut hat, bzw. gar nicht weiß, wie das eigentlich geht.
Unser Thema war also Grenzen setzen.
Gar nicht so leicht. Ich bin furchtbar darin. Manche Grenzen sind für mich gegeben, ganz klar. Meine Kinder durften noch einfach auf die Straße springen. Ich lasse mich nicht beleidigen. Sowas in der Art, das ist fest und wird nicht diskutiert. Aber es gibt auch Situationen, die sind eigentlich nicht okay, aber ich zögere. Weiß irgendwie, das ist nicht meins, ich will das nicht, oder das gehört so nicht, aber da fällt es mir schwerer. Und da ist es leicht gesagt: Setz einfach eine Grenze, denn das ist Übung und eigentlich steckt noch viel viel mehr dahinter. Aber genau das ist unser Arbeitsauftrag, den wir uns am Ende des Abends gesetzt haben: falls eine Situation aufkommt, wo wir direkt erkennen, dass wir das nicht wollen souverän (unser Lieblingswort des Abends) eine Grenze setzen.
Denn ganz ehrlich, niemandem ist geholfen, wenn wir das nicht tun. Das ist mir bewusst. Jedes Mal wenn ich über meine Grenzen gehe passieren zwei Dinge: Ich verliere Energie, die ich aber dringend für mich und meinen Alltag brauche. Und ich bin unehrlich. Denn jedes Mal, wenn ich eine Grenze nicht kommuniziere zeige ich damit nicht, wer ich bin und was ich will. Das kann ja egal sein bei Menschen, die wir nicht kennen, aber für alle im Umfeld ist das nicht okay. Denn wir wollen doch als wir wahrgenommen werden?
Also vielleicht möchtest du ja mitmachen und dich üben im Grenzen setzen. Vielleicht hast du aber auch schon eine gute Strategie, dann schreibe mir gerne, ich sammle für einen zweiten Beitrag zu dem Thema.
Bis dahin alles liebe,
deine Jenny
