Leben mit Baby

Geburtsbericht – eine spontane, schnelle Geburt bei BEL (Beckenendlage)

Es gibt, Tage, an die erinnert man sich auch Jahre später noch. Erst Anfang des Jahres habe ich euch von Hannas 7. Geburtstag und ihrer riesigen Prinzessinnenparty berichtet, doch der Tag ihrer Geburt kommt mir vor, als ob er erst gestern war. Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich gefühlt habe, weiß noch ganz genau, wie alles begann. Und davon möchte ich euch heute gerne berichten. Denn wie Rebekkas Geburt war sie keine komplett klassische Geburt, auch wenn sie nicht mal annähernd so dramatisch war. Aber auch hiermit bezwecke ich wieder etwas: Bei Rebekkas Geburtstbericht wollte ich Mamas bestärken auf ihr Bauchgefühl zu hören, ihrer Intuition zu folgen, damit es nicht, wie bei mir, im schlimmsten Fall zu einer ungeplanten Alleingeburt kommt! Mit Hannas Geburtsbericht möchte ich Mamas nun Mut machen, die immer wieder von Ärtzen abgewiesen werden, da diese bei Beckenendlage eine natürliche Geburt verweigern. Eine Geburt bei BEL (Beckenendlage) ist möglich (wenn auch nicht unter allen Umständen) und es muss gar nicht kompliziert sein! Aber lest selbst…

Die Schwangerschaft und und Geburt bei BEL

Eine spontane Geburt bei BEL ist nicht gewöhnlich, deshalb möchte ich hier, bevor ich euch von der Geburt erzähle, etwas zur Schwangerschaft und davon, wie es überhaupt zu meiner Entscheidung für eine spontane Geburt kam, erzählen.

Meine Schwangerschaft mit Hanna ist ganz normal verlaufen. Alles war wirklich bilderbuchtypisch und als Hanna in der 38 dann richtig herum lag, weiß ich noch, wie meine Hebamme mich ansah und sagte: “dann bereiten wir uns langsam mal vor, auf die anstehende, normale Geburt, denn dass sie sich jetzt noch dreht, ist mehr als unwahrscheinlich!” Und wahrscheinlich hat sie einfach nicht auf Holz geklopft, oder Hanna wollte sie eines besseren belehren: schon am nächsten Tag merkte ich, wie das Kind strampelte und strampelte um: Überraschung! sich “falsch herum” zu drehen.

Da lag sie also, mit dem Kopf nach unten, in Beckenendlage,  dem Schrecken aller Ärzte. Da ich bis dahin, also bis nahezu kurz vor Schluss eine normale Geburt geplant hatte und diese auch unbedingt wollte, wollte ich nicht nur wegen der Beckenendlage zu einem Kaiserschnitt wechseln. Der Gedanke an einen Kaiserschnitt hat mir ehrlich gesagt ganz schön Angst eingeflößt und ich war (und bin) der Meinung, dass die natürliche Geburt erlebenswert ist!

Und dann begann die Rennerei. Denn ein Krankenhaus zu finden, das eine spontane Geburt bei BEL des Kindes durchführt, ist wirklich nicht einfach! In den meisten Kliniken wurde mir zum Kaiserschnitt geraten, was wirklich schade ist, da es bei mir keine Hinweise darauf gab, dass eine spontane Geburt nicht möglich ist. Letztendlich habe ich eine Ärztin gefunden, die mich in meinem Wunsch unterstützt und mir eine spontane Geburt, solange möglich, zugesagt hat. Aber natürlich war das an Bedingungen geknüpft.

Es kann nicht jede werdende Mutter ihr Kind in BEL normal spontan entbinden, denn die Stellung der Füße des Kindes, Geburtsgewicht, Schwangerschaftswoche, Blasensprung (wenn er zum Beispiel vorzeitig war), Gesundheit von Kind und Mutter spielen eine wichtige Rolle. Ich war übrigens eine Erstgebärende, wie man so schön sagt, und trotzdem hat die Geburt bei BEL geklappt. Natürlich sind Erfahrungen mit einer Geburt hilfreich, aber nicht unbedingt ein Kriterium! Bei uns war aber alles so, wie es sein sollte, weswegen einfach nichts gegen eine spontane Geburt sprach.

Frau zeigt mit den Händen ein Herz auf ihrem schwangeren Bauch

Die letzte Woche vor der Geburt

Entspannt ist anders.  Geht es auf die Geburt zu, dann wird man ohnehin schon engmaschiger kontrolliert, ob alles ok ist und es dem Baby noch gut geht. Bei einer Geburt in BEL kommt hinzu, dass das Kind nicht zu groß und zu schwer sein darf, denn sich da rückwärts rauszuschieben ist für die Kleinen schon ein Akt. Und für die Mutter natürlich auch. Hanna wurde auf normal groß und normal schwer geschätzt (etwa 3kg), aber mit jedem Tag, vor allen in den letzten Tagen vor der Geburt, hat sie ordentlich zugelegt. Die Ärzte waren etwas besorgt und haben mir genau bis zum Geburtstermin gegeben, danach würde relativ schnell entschieden werden, wie wie fortfahren (mit Einleitung, doch Kaiserschnitt etc.).

Aber ich hatte schon gemerkt, dass es nicht mehr lange dauern würde. Jede Nacht gegen 1 oder 2 Uhr lag ich mit Übungswehen wach. Nie lange, nie doll, aber so, dass ich merkte, dass es bald losgeht (was mich bei Rebekkas Geburt ja auch so sicher gemacht hat).

Ich war jeden zweiten Tag bei meiner Ärztin und habe ausführlich CTGs schreiben und mich untersuchen lassen. Es war alles gut (und startklar).

Die spontane Geburt bei BEL

Der Geburtstermin war ein Freitag. Ich weiß noch, wie ich am Freitagmorgen bei der Ärztin saß, und sich nichts, aber auch wirklich nichts tat. Es sah so aus, als ob es sich Hanna wirklich bequem gemacht hatte, in meinem Bauch, und nicht vorhatte da demnächst rauszukommen. Also hieß es: morgen früh gehts ab ins Krankenhaus, dort werden weitere Maßnahmen besprochen. Aber klar ist, das Kind sollte raus.

Da ich das definitiv nicht wollte, ich wollte mein Kind nicht aus dem Bauch zwingen. Ich wollte, dass Hanna kam, wenn sie fertig war, war ich etwas in Panik. Wir haben den ganzen Tag versucht, die Geburt irgendwie auszulösen. Tees, Laufen, Tragen, alles, was es auf so ausführlichen Listen im Internet gibt. Aber nichts. Alles blieb ruhig. Also machten wir alles fertig, um am nächsten Morgen ins Krankenhaus zu fahren und gingen schlafen.

So wie jeden Tag in der Woche, wurde ich gegen 1 Uhr wach. Diesmal hielten die Schmerzen aber länger an, sodass ich aufgestanden bin. Ich weiß noch, wie ich mich an den Tisch gesetzt habe und erstmal genüsslich das Birchermüsli aufgegessen habe, dass vom Tag noch übrig war. Und die Wehen hielten an. Relativ schnell war mir klar, dass es losgeht. Aber ich habe noch gewartet, bis etwa kurz nach 2, bis ich unseren Papa wach gemacht habe.

Wir waren etwas unschlüssig, was wir nun tun sollten. Ich glaube ganz typisch für Eltern, die ihr erstes Kind bekommen, wussten wir einfach nicht, wann jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um ins Krankenhaus zu fahren. Also habe ich im Krankenhaus angerufen und gefragt. Und die Hebamme war sich sicher, dass das noch laaange Zeit hätte, so wie ich klinge. Wir sollten einfach kommen, wenn wir meinen jetzt wirds wirklich ernst. Solange wir uns fragen, ob es vielleicht ernst ist, ist es das nämlich nicht wirklich.

Also haben wir bis 4 Uhr gewartet. An schlafen war nicht mehr zu denken für mich, denn die Wehen blieben. Gegen 4 wechselten sie urplötzlich von alle 7 Minuten auf alle 2 Minuten und da wussten wir: jetzt!

Wir waren kurz nach 4 Uhr im Kreißsaal, dort wurden wir aber beruhigt: sowas dauert. Selbst wenn die Wehen häufig kommen, auch wenns weh tut, so eine Geburt dauert. Ich wurde untersucht und die Hebamme meinte noch: das sind nicht mal 2cm, wir schreiben jetzt 20 Minuten ein CTG und dann gehen sie nochmal eine riesen Runde spazieren!

Das CTG wurde geschrieben, nach 10 Minuten ist meine Fruchtblase geplatzt. Die Hebamme kam nach 30 Minuten in etwa wieder, schaute nach und meinte nur ganz trocken: und nun doch lieber schon in den Kreißsaal, wir sind bei 10cm.

Ich muss sagen, die Geburt habe ich nicht als angenehm in Erinnerung. Natürlich nicht, denn es ist eine Geburt, aber abgesehen von den Schmerzen, fand ich vieles unangenehm:

Ich konnte zum Beispiel nur liegen. Bis Hanna da war lag ich nur auf der Seite oder dem Rücken. Das Drehen habe ich nicht mal alleine geschafft, so schlapp war ich.

Ich war nicht darauf vorbereitet, wie trocken mein Hals und meine Lippen werden würden, einen Labello hatte ich leider nicht. Trinken und Essen durfte ich nicht, weil bei einer spontanen Geburt in BEL mit einem Noteingriff gerechnet werden muss, was hieß schnelle Narkose, was heißt nüchterner Magen (was ich ja dank des Birchermüslis eh nicht hatte aber…).

Überhaupt die Geburt komplett ohne Schmerzmittel durchzumachen fand ich nicht cool. Mir wurde es so erklärt, dass man damit rechnet, dass es einen Eingriff gibt und es besser ist, die Schmerzmittel nicht zu mischen (oder so). Man behält sich lieber die komplette Dosis für den Eingriff vor. Ob das so hinkommt…ich habe es einfach mal so hingenommen. Nerven für eine Diskussion oder fachliche Beratung hatte ich definitiv nicht mehr.

Da alle vom Dramatischsten ausgegangen sind (ohne, dass das eine angespannte Stimmung war, alle waren einfach nur wachsam die ganze Zeit, wie es wohl normal ist für eine Geburt bei BEL), war ich ständig von vielen Menschen umgeben. In der ersten Stunde der Geburt ging es noch, da war ich auch oft mit unserem Papa allein. Aber je weiter es vorwärts ging, desto mehr Menschen kamen. Es gab eine spitzen Zeit, da gab es kurz einen Geburtsstillstand, genau in den letzten Zügen, da waren eine Kinderärztin und Schwester, zwei Hebammen und die Oberärztin der Gyn bei mir im Raum. Ich habe denen da quasi eine riesen Show geliefert und konnte kaum die Augen offen halten.

Das Ende der Geburt, die letzten Züge waren schwierig. Vielleicht weil ich nicht mehr konnte, vielleicht weil irgendetwas anderes den Stillstand hervorgerufen hat. Der Wehentropf wurde geholt, ich auf den Rücken gedreht und mein Bett mit Beinstützen aufgemotzt. Op-Licht wurde angeschmissen und auf einmal war diese Show noch größer.

Baby Füße und Beine, alles in Rosa udn weiß

Aber alles in allem hatte ich was ich wollte. Denn nach dem kleinen Aus, dass nur kurz hielt, und das ich tatsächlich noch alleine wieder hinbekommen hatte, war Hanna geboren. Um 8:33, nur etwa 4 Stunden nach unserer Ankunft im Krankenhaus! (Also schnell kann ich, bei Rebekka waren es ja auch nur 3 Stunden!). Ich hatte eine spontane Geburt, die ich mir so sehr gewünscht hatte und alle waren wirklich lieb und einfühlsam. (Bis auf eine Hebamme zwischendurch. Ich schrie immer wieder: es tut so weh! Es tut so weh! und sie nur: Das tut nicht weh, das drückt! Hä? Mir doch egal wie die das nun bezeichnen mag!)

Meine Gedanken zur Geburt

Ich hatte mir eine spontane Geburt gewünscht, ich habe dafür gekämpft und ich habe sie bekommen. Glücklicherweise haben alle Faktoren gestimmt, sodass ihr nichts im Wege stand. Ich finde es schade, dass Frauen immer wieder gedrängt werden, einen Kaiserschnitt zu machen, ihnen weder eine Wahl noch überhaupt ein Gespräch über die Möglichkeiten gewährt wird! Für mich war die natürliche Geburt, vor allem bei meinem ersten Kind, immer sehr sehr wichtig. Umso schöner finde ich, das ich diese Erfahrung machen durfte. und ich hoffe, dass ich zeigen konnte, dass man nachfragen kann, dass man ein Mitbestimmungsrecht hat!

Wenn du schwanger bis mit einem Kind in BEL und die Ärzte sagen dir, dass sie dir einen Kaiserschnitt empfehlen, dann frage wieso! Damit es schneller geht? Damit die Risiken minimiert werden? Auch Kaiserschnitte sind schmerzhaft, also das kann es nicht sein. Wenn dir eine spontane Geburt wichtig ist suche nach Personen, mit denen du reden kannst und die nicht nur einen Text abspulen. Ich musste auch in drei Krankenhäusern fragen, bis tatsächlich jemand kam und sagte: ja klar, kein Problem, solange sie und das Kind mitmachen!

Und egal wie sehr es weh tut (und das tut es, da braucht man keinem etwas vormachen), so eine Geburt ist es wert erlebt zu werden. Unsere Körper sind dafür gemacht ein Kind auszutragen und zu gebären, auch wenn du Angst hast, du kannst das! Und sollte es nicht so einfach sein gibt es genügend Menschen, die dich unterstützen können. Du hast die Möglichkeit dir deine Geburt so zu planen und vorzubereiten, wie du es dir vorstellst. Wie es am Ende läuft weiß eh niemand. Aber die Geburt deines Kindes ist etwas, an das du dich dein Leben lang erinnern wirst. Lass es ein Moment sein, vor dem du keine Angst hast und den nicht jemand anderes für dich bestimmt hat!

In diesem Sinne alles Liebe,

eure Jenny

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