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Weihnachtsmärkte als Tradition?!

Für den Adventskalender von Fausba habe ich euch ein paar Tipps für den Weihnachtsmarktbesuch mit Kindern zusammengetragen. Hinter dem 12. Türchen könnt ihr den Beitrag finden! Als ich für den Beitrag etwas recherchiert und mir meine Gedanken gemacht hatte, fiel mir immer wieder auf, wie viel Tradition in (einigen) Weihnachtsmärkten doch steckt. Googelt man Adventstraditionen, werden Weihnachtsmärkte sogar explizit mitgenannt. Das hat mich interessiert und deswegen könnt ihr hier in meinem Beitrag näheres zur Entstehung von Weihnachtsmärkten finden!

Die Weihnachtszeit hat begonnen und damit eine Zeit der Traditionen, der Familie, des Stresses, aber vor allem auch der (Vor)Freude. Vor allem für Familien bedeutet die Adventszeit immer viel, wenn die Kinder stündlich fragen, wann Nikolaus und Weihnachtsmann kommen, ob man Plätzchen zum Abendbrot essen kann, oder, ob man nicht noch eine Lichterkette an das (schon voll behangene) Fenster hängen kann.

Es gibt schönere und nicht so schöne Traditionen, neu eingeführte und innerhalb der Familien weitergereichte. Letztes Jahr hatte ich mich mit einigen davon befasst, zum Beispiel mit dem Nikolaus und dem Adventskalender. Auf der Suche nach neuen Traditionen (die ich mit meinen Kindern einführen könnte) bin ich über etwas gestolpert, dass sich für mich gar nicht richtig wie eine anfühlt: Weihnachtsmärkte.

In meiner Vorstellung gibt es Weihnachtsmärkte schon immer. Das Mittelalter bestand ja quasi aus Märkten und öffentlichem Leben, also muss es doch dort auch schon Märkte zur Weihnachtszeit gegeben haben (vor allem weil man da noch mehr am Glauben festgehalten und diesen offen zelebriert hat). Weihnachtsmärkte haben Tradition. In meiner Vorstellung. Überrascht war ich dann also über das, was ich gelesen habe. Und das teile ich gerne mit euch!

Spätestens zum ersten Advent öffnen die Weihnachtsmärkte ihre Pforten. Egal ob groß oder klein, traditionell oder „gewöhnlich“, der Weihnachtsmarkt gehört zum Winter irgendwie dazu. Ich mochte als Kind natürlich auch immer sehr die Spielstände, aber die gibt es nicht auf allen Märkten. Aber ein kleines Karussell gibt es meistens – der absolute Kindermagnet. Besonders beliebt sind aber natürlich auch die Glühweinstände und Fressbuden. Ich persönlich liebe ja alles mit Grünkohl oder Sauerkraut, so richtiges Weihnachtsessen, aber auch zur Pilzpfanne sage ich nicht nein. Und seit wir in Bayern Wohnen Apfelküchle. Auf jedem Gang zum Weihnachtsmarkt gibt es davon 1 bis 2 Portionen!

Natürlich fallen mir noch mehr Leckereien ein (vom ganzen Süßkram zum Beispiel) und man könnte meinen, dass alles schon immer dazu gehörte. Genauso wie die Filzherzen und selbstgeschnitzten Weihnachtsfiguren. Aber wisst ihr was? Das ist nicht mal annähernd so! Weihnachtsmärkte haben sich aber die Zeit oft verändert, von ihrer Art, aber auch in ihrem Wesen.

Die Geschichte des Weihnachtsmarkts

Keine Angst, das wird kein trockener Geschichtsunterricht!

Weihnachtsmärkte gibt es definitiv noch nicht „schon immer“, ganz im Gegenteil erst seit dem 18. Jahrhundert etwa. Das hat den ganz einfachen Grund, weil Weihnachten vorher ausschließlich in der Kirche, aber nicht draußen oder zu Hause gefeiert wurde. Natürlich, denn Weihnachten ist ein kirchliches Fest, die Adventszeit die Zeit des Wartens auf die Festtage. Erst ab dem 18. Jahrhundert wandelte sich Weihnachten zu einem bürgerlichen fest und ebnete so den Weg zu gemeinschaftlichen Feiern in der Adventszeit.

Es entstanden Weihnachtsmärkte. Auf diesen wurden aber nicht, wie heute, weihnachtlicher Schmuck und Essen verkauft, denn den Schmuck braucht man bis dato ja gar nicht (das musste sich alles erst noch entwickeln), sondern es gab Gebrauchsgegenstände. Besonders interessant fand ich, dass es auch kein Essen gab.

Das liegt ganz einfach daran, dass die Adventszeit eine von der katholischen Kirche ausgerufene Fastenzeit war, die verbindlich galt. Ob sich nun jeder einzelne daran gehalten haben mag kann ich schwer sagen, aber es war somit so gut wie unmöglich in dieser Zeit öffentlich Speisen und Getränke zu verkaufen. Erst 1907 wurde die Fastenzeit zur Wahl und somit Speisen und Getränke auf dem Weihnachtsmarkt interessanter.

Auch Kinder und an Kinder gerichtete Attraktionen auf einem Weihnachtsmarkt gab es nicht, weil Kinder einfach gar nicht in dem Maße im Vordergrund standen, so wie sie es heute tun. Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts rückte das Wohl des Kindes ins Blickfeld und somit auch ins öffentliche Interesse, zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten.

Der Weihnachtsmarkt, wie er sich zu dieser Zeit entwickelt hatte, stand aber mehrmals vor dem Aus, durch Massenandrang nach seiner Etablierung (vor allem in den großen Städten und damit verbundener Kriminalisierung), durch die Industrialisierung (die Waren in Kaufhäusern billiger werden lies) und durch Kriege. Vor allem durch die Aufhebung des ökonomischen Faktors, als die Händler ihre Waren nur noch unter Wert verkaufen konnten, fingen die Betreiber und Budenbesitzer an, einen traditionellen Charakter der Märkte zu vermitteln. Der Weihnachtsmarkt wurde quasi neuerfunden, indem man so tat, als ob es sie schon immer gab.

Der Weihnachtsmarkt, wie wir ihn kennen entstand dann etwa in den 1960er Jahren. Er wurde zu einer Touristenattraktion und Massenbewegung inmitten einer Konsumgesellschaft (die es sich durch den Aufschwung nun auch wieder leisten konnte). Im Mittelpunkt standen und stehen Essen und Trinken, aber auch alle anderen Elemente wurden übernommen: so kann man auf dem Weihnachtsmarkt sowohl traditionelle Waren als auch Haushaltsgegenstände kaufen, ortstypische Elemente werden mit aufgenommen und zelebriert.

Interessant ist dabei aber natürlich, dass das weihnachtliche (also eigentlich religiöse) auf dem Weihnachtsmarkt so gut wie gar nicht mehr zu finden ist. Aber eigentlich auch kein Wunder, denn darum ging es ja nun schon lange nicht mehr.

Er ist nicht mehr die religiöse Einstimmung auf die Festtage, in der wir uns mit Enthaltsamkeit üben. Ganz im Gegenteil. Und trotzdem gehört er fest zur Adventszeit dazu. Ob man das nun mag, oder sich lieber fern hält

Weihnachtliche Grüße,

eure Jenny

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