Leben mit Kind

Auf dem Spielplatz – wenn Kinder etwas anderes wollen als die Eltern

Letztens auf dem Spielplatz habe ich wieder etwas gesehen, was ich gerne mit euch teilen möchte. Vor einiger Zeit hatte ich auf dem Spielplatz ja auch schon so eine Begegnung, die ihr sehr gerne gelesen habt (sich von dieser aber unterscheidet – sonst würde ich davon ja nicht berichten). Genaugenommen habe ich da eine wunderbare Zusammenfassung der möglichen Kommuniktationsversuche mit Kind gesehen, die es einfach nicht passender auf den Punkt hätte bringen könnte. Viel Spaß!

Wir waren auf dem Spielplatz und die Kinder haben sich beschäftigt. Ich konnte seelenruhig auf meiner Bank in der Sonne sitzten und die Umgebung beobachten. Gerne schaue ich mir an, was andere so treiben, wie andere Kinder spielen, oder wie andere Eltern mit ihren Kindern umgehen. Dabei ist mir eine Mutter aufgefallen, die sehr auffällig mit ihrem Sohn, vielleicht 4 oder 5 Jahre, spielte. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn Eltern auf dem Spielplatz mit ihren Kindern spielen. Als Hanna noch Einzelkind war haben wir uns auch sehr sehr oft mit beschäftigt, sind ihr hinterher gejagt, oder haben mit ihr Sandburgen gebaut. Und natürlich auch, als Rebekka geboren wurde. Gerne spielen wir mit den beiden. Gerne sitzten wir aber auch einfach auf der Bank. Aber zurück zum Thema.

Auffällig deshalb, weil sie um jeden Schritt ihres Sohnes besorgt schien, um das Gerüst so herumhüpfte, als müsste sie gleich einen Sturz abfangen. Nun gut, jeder, wie er es für richtig hält. Einen richtigen Weg gibt es ja sicher nicht.

Eimer udn Schaufel im Sandkasten

Die Situation auf dem Spielplatz

Bei besagter Mutter klingelte nun das Telefon und damit beginnt die Szene, die ich euch gerne beschreiben möchte. Der Junge spielte oben immer noch auf dem Klettergerüst und war ganz bei sich.

Die Frau telefonierte einige Minuten und ging dann mit dem Telefon Richtung Klettergerüst “Papa ist am Telefon, er schafft es heute nicht mehr nach Hause”. Keine Reaktion seitens des Jungen.

Eine Situation, die wir ja leider auch kennen. Und auch kennen wir das Ausbleiben jeglicher Reaktionen. Die Gefühle wie Traurigkeit oder Vermissen treten erst später ein, wenn es den Kindern richtig bewusst wird, dass der Papa, oder die Mama wirklich nicht da sind.

Der Junge spielte also weiter, aber die Mutter versuchte es nochmal: “Möchtest du auch mit Papa sprechen?” Und ganz klar antwortete der Junge mit Nein. Und fertig.

Oder auch nicht. Aha, dachte mir, einfach mal als Frage formulieren, was man eigentlich möchte. Mit nen bisschen Glück fallen die Kleinen drauf rein. So typisch wie “Ach, wollen wir nicht nach Hause gehen?”

“Dann ist der Papa aber bestimmt traurig!” – keine Reaktion.

Puh gleich mit emotionaler Erpressung hinterherschießen, anscheinend möchte sie wirklich, dass der Junge mit seinem Papa telefoniert. Der Junge aber halt immer noch nicht.

“Na komm runter, sprich kurz mit Papa und dann können wir ja etwas zusammen spielen!”

Jetzt die ganz harte schiene: Bestechung. Aber gut geben wirs zu, wir alle setzten sie mal ein. Auch wenn ich absolut dagegen bin, weil ich meine, das sollte auch ohne funktionieren, habe ich auf dem Heimweg vom Kindergarten manchmal Süßigkeiten dabei, weil ich weiß, dass ich Rebekka einfach ohne nicht in den Anhänger bekomme.

Sie möchte immer immer immer selber laufen oder Laufrad fahren, was dann aber eine Stunde länger dauert. Also Zack: Eine Handvoll Gummibären oder eine Brezel oder sonstwas in die Hand gedrückt und schon lässt sie sich reinsetzten. Bin ich nicht stolz drauf, aber es funktioniert nunmal.

“Nein”. 

Der Junge möchte wohl wirklich einfach weiterspielen.

“Das macht mich aber traurig, dass du gar nicht auf mich reagierst!”

Also nochmal emotionale Erpressung. Ohne mein Ende vom Beitrag jetzt schon vorwegnehmen zu wollen (ihr könnt es euch sicher auch schon denken) ist sowas von deutlich, was in dieser Situation falsch läuft: Wünsche werden nicht ordentlich formuliert. Oder einfach so verpackt, dass nicht mehr deutlich wird, dass es ein drigender Wunsch ist. Und vor allem: so zu tun, als ob das Kind nicht reagiert, nur weil es nein sagt. Es macht halt nicht, was die Mutter möchte, aber der Junge reagiert ja von anfang an sehr deutlich! Und auch hier nochmal:

“Ich möchte nicht!”

Ziemlich klare Wort von dem Jungen. Ob die Mutter jetzt aufhört?

“KOMM JETZT DA RUNTER!”

Jetzt kommt also die -Ich bin deine Mutter- Keule. Keine Reaktion seitens des Jungen.

“SONST…”

Stimmt, Drohungen hatten wir in diesem Szenario noch nicht, wird aber auch Zeit…Keine Reaktion.

“SONST GEHEN WIR SOFORT!”

Der Klassiker. Und was bringt er? Nüscht! Aber wisst ihr was? Es ist noch nicht zu Ende. Der Mutter fiel wirklich noch etwas ein…

1…”

Na klar, noch son Klassiker. Ich bin gespannt, was sie bei der 3 bringt.

“2…”

Immer noch keine Reaktion, er spielt seelenruhig auf dem Gerüst weiter, während seine Mutter unten brüllend steht. Wohlgemerkt immer noch mit dem laufenden Telefon in der Hand, denn darum ging es ja!

“3!…Ach komm schon, BITTE”

Interessant. Die 1,2,3 Keule mit Bitte zu beenden habe ich jetzt so auch noch nicht gehört. Funktioniert in dieser bestimmten Situation jetzt aber auch nur mäßig gut. Immerhin guckt der Junge seine Mutter mal an.

“Der Papa sieht dich doch heute gar nicht mehr und möchte wirklich wirklich mit dir sprechen!”

Betteln. Das hatte wohl noch gefehlt. Und typischerweise wohl der letzte Versuch, bevor man einsieht, dass das nichts mehr wird. Und funktionierte das? In dieser Situation ja.

Ob Betteln ansonsten das Allheilmittel bei “nicht reagierenden” Kindern ist möchte ich bezweilen. Aber genau in diesem letzten Moment hat die Mutter das erste Mal etwas gemacht, was sie davor nie richtig gemacht hat und was wir oft zu vergessen scheinen: sie hat ein Anliegen direkt, ohne Umwege formuliert. Der Papa möchte gerne mit dem Jungen sprechen. Ganz einfach. Ob der Junge jetzt möchte ist ja eine ganz andere Geschichte. Denn darum geht es doch in zwischenmenschlichen Beziehungen oder? Wir sind unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Selbst in Familien sind nicht alle gleich und wollen schonmal gar nicht alle das Selbe. Da muss man miteinander reden, zeigen was man braucht und möchte.

Ich habe aber das Gefühl, dass das in der Beziehung mit unseren Kindern ganz anders läuft. Vielleicht haben wir Angst vor Konflikten oder wollen so positiv wie möglich mit unseren Kindern sprechen. Da wird das Anliegen: Papa möchte mit dir sprechen (Nimm jetzt das Telefon, sag halt gleich Tschüss, wenn du nichts zu sagen hast) verpackt in zuckersüße positive Fragen. Möchtest du vielleicht mit dem Papi telefonieren, Schnuckiputzi? Das Anliegen bleibt aber das gleiche. Viel schlimmer ist aber, wenn die Kinder ehrlich auf diese rhetorischen Fragen Antworten: Nö, kein Bock! Da steht man erstmal da. Was können Eltern dann machen? Oben gibt es ja nun eine lange Liste, aber natürlich wäre das einfachste einfach gerade und ehrlich heraus zu sagen, was man vom Kind erwartet. Denn das ist es: eine Erwartung. Und dann mit der Antwort zu leben.

Ich gehe nun nicht total freaky mit Notziblock und Stift durch die Stadt und schaue, was mir auffällt. Natürlich geht es mir gar nicht um diese Mutter mit ihrem Sohn. Aber diese Situation war so exemplarisch, dass ich gar nicht anders konnte, als sie mir zu notieren. Aber natürlich konnte ich mich gut in sie hineinversetzten, denn ich denke wir alle haben diese Situation schon erlebt, in der wir einfach total hilflos unserem Kind gegenüberstanden.

Und manche Dinge, die unsere Kinder partout nicht wollen, sind aber dringend, oder uns wichtig. Was macht man da? Das muss natürlich jeder für sich beantworten und herausfinden. Aber meine Meinung dazu ist ganz klar ins Gespräch gehen. Denn uns gegenüber steht ein Mensch. Ein kleiner, aber ein Mensch. Mit eigenen Wünschen und Gefühlen. Wir wir wollen, dass dieser kleine Mensch etwas macht, auf das er keine Lust hat, oder etwas lässt, weil es uns stört, dann müssen wir das so mitteilen und auf sein Verständnis hoffen (und am besten in umgekehrten Situationen ein gutes Vorbild sein!), oder nötigenfalls sagen, warum wir unsere Absichten nun über seine stellen.

Schreibt mir gerne, was ihr in solchen Situationen macht (nicht nur auf dem Spielplatz), es reagiert ja jeder doch sehr unterschiedlich. Aber vielleicht hat der oder die ein oder andere einen Tipp?

Folgt uns auch gerne auf Facebook oder Instagram. Dort tausche ich mich auch sehr gerne mit euch aus und lasse euch nochmal anders an unserem Leben – und unseren Spielplatz – Besuchen 😉 teilhaben!

Liebe Grüße

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