Familie

Vorsorgetermine beim Zahnarzt – auch bei den Kleinsten schon richtig Zähneputzen

Heute habe ich mal ein etwas anderes Thema für euch, welches ich für wirklich wichtig halte: der Zahnarztbesuch. Eigentlich finde ich es ein wenig lustig, wie sehr sich der “normale” Arztbesuch, von dem beim Zahnarzt unterscheidet. Letztes Jahr hatte ich einen Vorsorgetermin, vor dem ich wegen Zahnschmerzen etwas Angst hatte. Und nach dem Termin war klar, da müssen wir wohl nochmal ran. Ich bin leicht in Panik geraten (obwohl ich eigentlich keine wirkliche Angst vor Zahnärzten habe) und bin aus dem Zimmer gestürmt, die Zahnärztin hinterher. “Hallo, Stopp! Sie haben ihr Jacke und ihre Tasche stehen lassen!” Tja also… Fluchtreflex würde ich mal sagen 😀 Die Ärztin war ganz amüsiert und hat mir erzählt, das sie dieses Verhalten schon kennt, fast alle verlassen fast fluchtartig ihre Praxis. Zahnärzte sind einfach gefürchtet. Und genau an dem Punkt möchte ich heute mit euch reden, denn das muss nicht sein. Neben dem täglichen Zähneputzen können Vorsorgetermine dazu beitragen, dass der Zahnarztbesuch sogar angenehmer wird, als der, beim “normalen” Arzt.

Warum Angst vor dem Zahnarzt haben?

Jetzt mal ganz ehrlich, warum haben wir überhaupt Angst vor dem Zahnarzt? Das erste Bild, das uns in den Sinn kommt, wenn wir an den Zahnarzt denken, ist das mit dem Menschen, ganz steril in weiß und Mundschutz mit dem riesen Bohrer in der Hand. Oder am Besten schon mit unserem Zahn. Klar, der Zahnarzt tut uns manchmal ganz schön weh. Ich persönlich bin gar kein Freund von Spritzen, deshalb lass ich mich beim Arzt nie betäuben. Und ja, das tut wirklich wirklich weh. Und wenn man wirklich mal ein Loch hat, dann ist das auch noch teuer. Also alles in allem kann man Grund haben Angst vor dem Zahnarzt zu haben. Aber… liegt es denn nicht eigentlich in unserer Macht, ob gebohrt wird und wir zahlen müssen? Ja, natürlich liegt es das! Denn wir können uns einfach gut um unsere Zähne kümmern und können regelmäßig zu den Vorsorgeterminen gehen, dann kann man nämlich auch die Arztpraxis nach 10 Minuten wieder verlassen, ohne dass der Geldbeutel leichter und der Zahn geflickt ist.

Sich eine gute Zahnpflegeroutine anzueignen beginnt schon in der Kindheit

Natürlich kann man das Verhalten rund um die Zähne immer ändern, aber was man einmal gelernt hat ist manchmal echt schwer wieder abzulegen. Oder sich neue Routinen anzueignen ist im Erwachsenenalter viel schwieriger, als wenn man das als Kind schon beigebracht bekommen hat. Also spielen wir Eltern eine doppelt wichtige Rolle beim Zähneputzen unserer Kinder: Wir zeigen ihnen den richtigen Umgang mit Zahnbürste, Zahnpasta und auch Zahnseide. Und wir müssen natürlich noch bis ins Grundschulalter sicherstellen, dass die Kinder auch wirklich immer richtig putzen und bestenfalls nachputzen. Ich gebe zu, dass ist nicht immer einfach, vor allem am Abend, wenn die Kinder eh meist nörgelig sind und lieber spielen als ins Bett wollen. Und man selbst einfach nur den Tag zu Ende bringen und etwas Ruhe möchte. Dann noch 20 Minuten im Badezimmer zu verbringen – tatsächlich nicht die schönste Vorstellung. Wenn man sich dann aber in Erinnerung ruft, dass das später unzählige Besuche beim Zahnarzt vermeiden kann, weil die Kinder Zahnschmerzen, vielleicht sogar schon große Löcher haben, ist das doch das kleinere Übel.

Was passiert bei einem Vorsorgetermin beim Zahnarzt?

Bahnt sich ein Schnupfen an, läuft die Nase und kribbelt. Bekommt man Fieber fühlt sich der ganze Körper komisch an. Bei einer Magenverstimmung fängt der Bauch an zu grummeln und zu drücken. Krankheiten bekommt man schnell mit. Aber bei den Zähnen? Da merkt man erst was los ist, wenn es zu spät ist, was heißt: wenn das Loch schon da ist. Und das ist der Moment, wenn es teuer und schmerzhaft wird. Um dem vorzubeugen kann man nicht nur seine Zähne gut pflegen, sondern auch zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen. Das geht schnell und man ist regelmäßig darüber im Bild, was da im Mund los ist.

Bei großen Patienten laufen die Vorsorgeuntersuchungen recht simpel ab: Sobald man ins Untersuchungszimmer auf den netten Stuhl gerufen wird, schaut sich die Ärztin oder der Arzt, meist nach einem Gespräch über Probleme und Schmerzen, Zahnfleisch und Zähne an. Und fertig. Das ist eine Sache von höchstens 15 Minuten! Also wirklich nichts, wovor man Angst zu haben braucht.

Bei kleinen Patienten kommt noch das ein oder andere hinzu. Bei unserer Praxis ist zum Beispiel der Vorsorgetermin zum 6. Geburtstag ein besonderer. Dort geht es nämlich vor allem um die Putzroutine der Kinder. Auch bei den anderen Vorsorgeterminen werden natürlich Zahnfleisch und Zähne angeschaut und gefragt, wie die Kinder putzen, aber zu diesem Termin bringen die Kinder ihre Zahnbürsten mit und die Schwestern nehmen sich viel Zeit, um die komplette Routine durchzugehen, zu erklären und zu zeigen. Dabei wurden Hannas Zähne mit einer Zahnfärbetablette eingefärbt und prompt wurden die Zähne auch etwas lila. Oopala, haben wir wohl nicht so gut geputzt! Und Ausreden gelten hier übrigens nicht, die Tablette färbt alles, was in den letzten 24 Stunden an die Zähne kam und kleben geblieben ist. Das letzte Mal Zähneputzen ist also definitiv mit in der Zeit 😉

Als ersten Schritt hat Hanna ihre Zähne ganz allein, ohne Kommentare von mir oder der Schwester geputzt, die Schwester hat nur beobachtet. Nach dem Putzen zeigte ein Blick in den Spiegel: die Backenzähne waren blitzeblank, die Schneidezähne allerdings waren immer noch teilweise rosa/lila. Was hatte sie also falsch gemacht? Das ging die Schwester nun Schritt für Schritt mit ihr durch. Dadurch, dass sie Hanna so genau beobachtet hatte, konnte sie ihr nun gute Tipps geben. Denn es kommt nicht nur auf ein ordentliches schritt-für-schritt Putzen an, sondern auch, dass man die Zahnbürste gut hält. Das ist vor allem bei den Schneidezähnen manchmal schwierig, weshalb sie meistens nicht so gut geputzt werden. Also haben Hanna und die Schwester zusammen nochmal die Zähne geputzt. Und tatsächlich, danach waren alle Zähne wieder sauber und Hanna super stolz, dass sie das alleine geschafft hat. Auch den Umgang mit Zahnseide wurde nochmal geübt, das kann Hanna aber schon super alleine.

Auch Rebekka darf sich zu den Vorsorgeuntersuchungen ihrer Schwester auf den Stuhl setzen, einmal hoch und runter fahren und ihre Zähne zeigen. Klappt bis jetzt erst mäßig gut, aber es geht dabei ja vor allem darum, den Schreck vor dem Zahnarzt und den miesenfiesen Instrumenten zu nehmen.

Zähneputzen mit Kleinkindern

Auch wenn man es gut meint, und weiß, dass es unumgänglich ist: Zähneputzen gehört einfach nicht zu den beliebten Tätigkeiten der Kinder und wird dadurch leicht zum Streitpunkt und Stressfaktor. Leider. Es mutiert sehr schnell zu einem täglichen Horrorszenario, das von Zwang und Druck geprägt ist. Ich habe schon so einiges gehört, von Beschwichtignungsversuchen, über Austricksen bis hin zu zwanghaft die Bürste in den Mund stopfen.

Auch wenn man damit kurzfristig ans Ziel kommt, so ist es doch langfristig nicht nützlich das Zähneputzen so anzugehen. Denn das Kind soll nicht nur die Zähneputzen, damit es keine Löcher hat, sondern es soll auch relativ früh verstehen, dass die Zahngesundheit maßgeblich am guten Putzen hängt und es auch schnell selber dafür verantwortlich ist sich gut um seine Zähne zu kümmern. Und kommt man dann mit Zwang oder Trickerseien à la “Mach doch mal den Mund auf, ich habe hier dein Nucki” ans Ziel? Wahrscheinlich eher nicht. Da ist tatsächlich Geduld gefragt, natürlich vor allem auf Seiten der Erwachsenen.

Das hat uns geholfen beim Zahnputztreining und Zähneputzen:

(Vorweg: die folgenden Punkte funktionieren gut für uns, bei anderen Familien kann das natürlich ganz anders sein. Natürlich starten wir hier nicht jeden Abend ein riesen Programm mit Clownsnase. Wann immer die einzelnen Punkte gut passen, oder nötig sind, bringen wir sie an und dann helfen sie uns die Situation zu meistern.)

Konsequentes Putzen! Wir putzen immer Zähne. Immer. Es gibt einfach keine Ausnahme, denn Karies nimmt keine Rücksicht, nur weil man mal später nach Hause kommt. Und das versteht das Kind natürlich auch schon: warum ist es den einen Abend total wichtig seine Zähne zu putzen, und den anderen nicht? Also, falls die Kinder noch nicht schlafen, weil wir spät oder nachts nach Hause kommen, wird geputzt (vielleicht etwas flinker als sonst, aber es wird geputzt!)

Als Vorbild fungieren. Als Hanna klein war, haben wir uns mit ihr die Zähne geputzt. Wenn wir abends zu zweit waren, hat sich einer die Zähne geputzt und der andere hat Hanna unterstützt und wenn ich abends mit Hanna alleine war, dann habe ich erst mir die Zähne geputzt und dann Hanna unterstützt. Denn man kann den Kindern viel erzählen, am Ende lernen sie doch am meisten von dem, was sie sehen. Bei Rebekka ist es nun leichter für mich, weil sie sich gemeinsam mit Hanna die Zähne putzt und nun bei ihrer großen Schwester schauen kann.

Gleichberechtigung. Wenn ich Hanna mit der Zahnbürste im Mund herumfummeln durfte (obwohl sie dagegen war), durfte sie das auch bei mir. Sie durfte meine Zahnbürste nehmen und mir die Zähne putzen. Dabei hat sie meistens verstanden, dass ich sie nicht einfach ärgern wollte, sondern dass es tatsächlich ums putzen geht. Und außerdem konnte sie viel besser sehen, was da mit der Zahnbürste im Mund passiert, als wenn sie bei sich nur in den Spiegel schaut.

Spielerisch an die Sache herangehen. Wir haben ein Zahnputzlied. Das haben wir uns gemeinsam ausgedacht und das haben wir mit Hanna jeeeden Abend gemeinsam beim Zähneputzen gesungen. Und dann haben wir Namen für die, ich nenne es mal verschiedene Mundstellungen. Wenn wir die Kauflächen putzen macht sie A, das ist wohl noch relativ gewöhnlich. Und wenn wir die Seiten putzen machen die Kinder den Löwen. Welches Kind brüllt nicht gerne wie ein Löwe und fletscht dann die Zähne? Also nach A kommt: wie macht der Löwe? und schon kann weiter geputzt werden. Das sagen wir bei Hanna übrigens immer noch, obwohl sie nun schon alleine weiß, wie man wann am besten an die Zähne kommt.

Und abseits vom Badezimmer: erklären und zeigen Die Kinder können viel besser nachvollziehen, was sie da mit der Zahnbürste machen sollen und warum das so wichtig ist, wenn sie verstehen, warum sie es machen sollen und was es bewirkt. Kindgerecht kann schon in jedem Alter gezeigt werden, warum das Zähneputzen so wichtig ist. Abends haben wir am Anfang beim Zähneputzen mit Hanna dann immer das Essen weg geputzt. Das fand sie wirklich wirklich witzig. “Hanna, ich seh da noch Tomatenstücke, hast du heute vielleicht Tomaten gegessen?” Wie begeistert das Kind ist, und wie erstaunt, dass da Essensreste im Mund bleiben (ob man die nun als Erwachsener wirklich sieht, oder auch nicht…) “und sind das etwa Kekskrümel? Hast du etwa genascht?” großes Grinsen, erwischt 😉 Für Kindergartenkinder kommen dann schon Geschichten um Karies hinzu, die kleinen Wesen, die mit Bohrer und Hacke einfach den Zahn kaputt hauen. Und je älter die Kinder werden, um so mehr und genauer kann man dann erklären. Das erleichtert den Kindern nicht nur das Nachvollziehen, was sie da eigentlich machen, sondern vermittelt ihnen auch Wissen über ihren eigenen Körper.

Eine Geschichte zum Zähneputzen

Um das, was die Schwester Hanna während bei der Zahnvorsorge gezeigt hat, verbildlichen zu können, hat sie eine Geschichte erzählt, die ich so schön, weil wirklich so bildlich, fand, dass ich sie hier mit euch teilen möchte.

Dein Mund ist ein Restaurant. Und zwar nicht irgendeins, sondern ein 5 Sterne Restaurant! Natürlich schmeckt auch hier nicht jedem alles, aber deine Gäste kommen unglaublich gerne her, weil die Atmosphäre stimmt, das Essen gut ist und schnell bereit steht. Von der Auswahl mal ganz zu schweigen. Und Platz gibt es auch immer, denn das Restaurant ist mit 20 (oder Anzahl der Zähne) Tischen wirklich groß. Das einzige Problem, welches es, vor allem Abends, gibt ist: die Gäste fühlen sich so wohl, dass sie nicht gehen wollen. Nicht tagsüber, nicht zur Mittagspause und schon gar nicht nachts! Dein Restaurant muss aber dringend gereinigt und für die nächsten Tage vorbereitet werden, es ist also dringend notwendig, dass es leer ist und wieder sauber wird. Von alleine würde die Gäste das Restaurant also niemals verlassen, also muss jeden Tag jemand durch den riesen Raum gehen und sie von ihren Tischen vertreiben. Es ist eine ganz schöne Arbeit alle Tische sauber zu machen und die Gäste zum gehen zu bewegen. Weißt du was passiert, wenn du einfach nur vorbei gehst? Die Gäste verstecken sich. Am Tisch, aber auch drunter, oder auch dahinter! Es nutzt also leider nichts, wenn du den Tisch nur oben abwischst. Du musst ihn einmal komplett sauber machen, von allen Seiten, damit der Gast endlich geht. Und sobald du einen Tisch auslässt verstecken sich die Gäste dort. Es hilft also alles nichts. Damit dein Restaurant weiterhin so gut läuft, alles sauber ist und für die Speisen am nächsten Tag vorbereitet werden kann, muss gründlich durchgeputzt werden.

Diese Geschichte zu Karies und Zähneputzen ist so bildlich, dass Kinder sie sehr gut verstehen können. Vor allem, weil sich schon die Kleinsten Kinder etwas unter “Tisch putzen” vorstellen können. Sie wissen genau, dass das Essen nicht nur obendrauf liegen bleibt, sondern auch gerne an den Rändern klebt oder sich darunter sammelt (weil das irgendwie, ich weiß ja auch nicht, seinen Weg vom Teller runter findet).

Vielleicht ist es bei euch ja ganz anders, und das Zähneputzen mit den Kleinen klappt super, dann berichtet uns doch gerne, was ihr macht, oder wie ihr das macht! Was hilft euch beim Zähneputzen mit den Kindern?

Liebe Grüße,

eure Jenny

 

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