Leben mit Kind

Ein Mutter Tochter Tag

Letzte Woche war Kindertag und wir haben ihn auch sehr schön verbracht. Aber das eigentliche Highlight für mich (und sicherlich auch Hanna) war ein Tag früher. Denn ganz spontan hatten wir die Gelgenheit einen Mutter Tochter Tag zu machen und das hat sich auf alles Ebenen gelohnt!

Seit Rebekka auf der Welt ist, ist meine Zeit mit Hanna begrenzt. Entweder wir sind gar nicht erst alleine, oder wenn wir uns doch mal davon stehlen können, schreit Rebekka, oder braucht etwas, oder oder oder. Rebekka ist halt klein, Hanna nicht mehr.

Hanna ist nicht der Typ Mensch, der sich da beschwert. Sie zeigt, wenn ihr was fehlt, aber eher subtiler. Also war mir schon klar, dass sie sich mehr Zeit mit mir wünscht, aber was nicht geht, geht halt nicht. Weil: woher soll ich die Zeit nehmen, den Raum, die Möglichkeiten, wenn ich allein mit zwei Kindern bin?

Letzte Woche allerdings hat eine Freundin spontan angeboten Rebekka den ganzen Tag mit zu sich zu nehmen. Auch wenn ich ein eher mulmiges Gefühl hatte, habe ich eingewilligt, denn ich war mir sicher: Hanna würde sich riesig freuen, wenn wir beide Zeit miteinander verbringen können!

Manchmal weiß man gar nicht, was einem fehlt

Rebekka war keine Minute aus der Tür, da haben wir sie schon vermisst. Selbst Hanna fand es komisch, dass sie nicht da war. Denn sonst sind wir immer zu dritt. Immer.

Also kurz war es merkwürdig, aber wirklich nur kurz. Denn Hanna war sofort Feuer und Flamme. Wir haben uns hingesetzt, um einen Plan für den Tag zu machen. Dinge zu finden, die wir beide unbedingt mal machen wollten, Rebekka aber immer “gestört” hat. Einfach den Tag zu zweit mit “große-Mädchen-Sachen” genießen. Aber noch bevor wir auch nur das ernste genannt haben, warf Hanna eine Regel ein: Handy und Laptop bleiben aus! Ich habe schon oft bemerkt, wie wichtig ihr das ist, und wie störend, wenn ich dann doch dran hänge, um irgendetwas zu machen, zu suchen, zu schauen. Also Handy- und Laptopverbot (vorerst, dazu später). Ich selber habe mir natürlich ein Haushaltsverbot auferlegt, denn das kann wirklich alles mal einen Tag liegen bleiben.

Und schon bei der Planung fiel mir auf: ich mache das nicht für Hanna. Wir machen das für uns beide. Wir brauchen das BEIDE! Mir war gar nicht bewusst, wie sehr ich Hanna vermisst habe. Wie anders die Zeit mit ihr ist. Wie ruhig es sein kann, wenn man sich nur mit einem Kind beschäftigt. Und wie tief man gehen kann, wenn man sich auch wirklich nun auf ein Kind zu konzentrieren braucht!

Aktivitäten für den Mutter Tochter Tag

Vorher habe ich mir meine Gedanken gemacht, was wir spezielles machen können. Was wir tolles anstellen, damit der Tag auch ja ganz toll wird, Hanna ihren Spaß hat. Ich habe überlegt, wo wir hingehen können, was es draußen gibt. Aber die Antwort auf die “was machen wir” Frage war so naheliegend, dass es mir tatsächlich erst bei dem Gespräch mit Hanna aufgegangen ist: Es ist nicht das was, es ist das wie. Ich brauche nicht irgendwelche tolle Aktivitäten, beeindruckenden Schnickschnack. Wir brauchten Zeit zusammen, ganz egal wo. Oder genaugenommen war zu hause sogar der beste Ort, denn so haben wir keine Zeit durch Fahrten verloren, und es gab auch keine Ablenkung. Es gibt so viel, was wir gerne gemacht haben, bevor Rebekka geboren wurde, was wir dann sein lassen mussten, dass wir damit locker eine Woche hätten füllen können. Also haben wir uns davon das Liebste rausgesucht und los gings!

Wir lieben Puzzeln. Beide. Rebekka liebt Puzzel auch, aber anders. Am liebsten schüttet sie alle Puzzel durcheinander und freut sich dann. Diesen Haufen habe ich in letzter Zeit nicht mehr sortiert, weil es einfach sinnlos ist. Für unseren Tag haben wir uns nun aber hingesetzt, mit dem ganzen Puzzelhaufen, und haben ihn auseinander gepuzzelt. 2 1/2 Stunden lang haben wir auf dem Boden gehockt, Puzzelteile getauscht, gedreht, gewendet, Packungen zugewiesen und das Kinderzimmer schließlich nach fehlenden Teilen durchsucht. Wir haben tatsächlich alle 15 Puzzel zusammenbekommen! Und 5 davon waren allein schon von Elsa.

 

Wir haben zusammen gekocht. Denn endlich hatte ich mal wieder die Ruhe, Hanna alles zu erklären, konnte Sachen auch mal stehenlassen, ohne, dass jemand (also Rebekka) sie gleich umgeschüttet oder aufgegessen hätte. Wir konnten experimentieren udn Hanna konnte zeigen, was sie schon alles kann.

 

Und wir haben ganz allein Süßigkeiten gefuttert, Popcorn gemacht, und uns die Nägel lackiert. Dabei haben wir einen Film geschaut (dafür wurde das Verbot dann aufgehoben), wozu wir auch nie kommen, weil Rebekka einfach noch nicht so lange durchhält. Und es war schon, einfach dazusitzen und gemeinsam zu lachen!

Und zum Schluss waren wir nochmal draußen, ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

Aber wirklich, ganz egal, was man macht: die Aufmerksamkeit, die man für sein Kind hat, ist besser als alles, was man planen kann. Ungeteilte Aufmerksamkeit ist mit das Beste was man seinem Kind schenken kann, und das ist so viel wert. nicht nur für das Kind, sondern auch für einen Selbst.

 

Ungeteilte Aufmerksamkeit ist heute selten geworden

Wenn ich mal überlege, wann ich meinem Kind wirklich ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen konnte, kann ich wirklich nicht ganz sicher sagen, wann das war. Vielleicht in einzelnen kurzen Momenten. Die waren dann aber ich wirklich ganz kurz. Denn immer ist ein zweites Kind dabei, immer bin ich mit ihnen alleine und meistens gibt es nebenbei noch zu viel zu erledigen. Da steht das Essen auf dem Herd, die Waschmaschine hat gerade noch eine Ladung ausgespuckt. Und was wurde da gerade in der Lieblingsfacebookgruppe gepostet?

Das ist schade, denn uns geht dabei so viel verloren. Und das für etwas, was nicht nötig ist. Die Todoliste kann auch später geschrieben werden, das Kind vielleicht beim Kochen einbezogen. Wir können das Handy einfach mal liegen lassen. Natürlich lässt sich nicht alles aufschieben, aber einiges. Und das freut nicht nur die Kinder, die natürlich gleich ganz genau merken, wenn wir abgelenkt sind. Sondern auch uns tut es mal gut mal im Hier und Jetzt zu sein, den Kopf frei zu machen von allem, was in diesem Moment nicht zählt.

 

Ich war wirklich überrascht, weil ich niemals gedacht hätte, das auch mir ein Tag mit Hanna so gut tun würde. Wir sind nun schon so lange  mit Rebekka zusammen, dass ich mich an die Lautstärke und das Gewusel gewöhnt und gar nicht bemerkt habe, wie anders es mal war und manchmal immer noch sein kann!

Falls ihr euch auch nicht mehr erinnern könnt, wann ihr das letzte Mal ganz ruhig Zeit mit eurem Kind verbracht habt, ohne zwischendurch anderes machen zu müssen, ist ein Mutter Tochter Tag (bzw. Vater / Sohn)  ja vielleicht auch etwas für euch?

 

Liebe Grüße,

eure Jenny

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