Leben mit Kind

Fit für die Schule – Abschied vom Kindergarten

Es ist bei uns nun auch soweit: Hannas startet heute in ihre letzte Kindergartenwoche. Langsam wird es also real: die Schulzeit rückt näher! Und zu einem guten Start in die Schule gehört auch ein guter Abschied aus dem Kindergarten. Wie wir unseren feiern und wie es Hanna mit dem Abschied geht, erzähle ich euch gerne näher.

Der Kindergarten und seine Bedeutung für die Kinder

Wir sind alle schon sehr aufgeregt, was die neue Zeit betrifft, fragen uns, welche neue Gewohnheiten sie bringt. Aber natürlich sind wir auch sehr traurig, dass nun ihre Kindergartenzeit ein für alle Mal vorbei ist. Hanna war zwar nie gerne im Kindergarten, immer schon lieber mit mir unterwegs, aber trotzdem ist der Kindergarten eine gewohnte und liebgewonne Umgebung für sie geworden. Sie kennt die Menschen dort, kennt die Kinder, kennt die Räume. Sie kennt Regeln und Routinen, die ihr das Leben dort vereinfachen. Dort zu handeln, zu spielen, zu entdecken ist einfach, denn sie muss nicht mehr groß über alles nachdenken, kann sich auf anderes konzentrieren.

Der Kindergarten ist für die Kinder ein sicherer Raum geworden, zum mindestens, wenn sie ihn schon einige Zeit besuchen. Wir kennen das alle: auf einer neuen Arbeitsstelle sind wir erst einmal unsicher. Aber sobald wir einige Zeit dort verbracht haben, uns eingearbeitet haben, werden wir nicht nur sicherer, sondern schaffen viel mehr, weil wir uns nicht mehr darauf konzentrieren müssen, wie die Routinen richtig sind, welcher Kollege für was zuständig ist, oder wo das Druckpapier liegt. Wir werden ein Teil des Ganzen und so geht es auch unseren Kindern im Kindergarten.

 

Der Abschied vom Kindergarten

Kinder können nicht wirklich etwas mit Zeit anfangen. Wenn ich Hanna nun sage, dass ihre letzte Woche im Kindergarten anbricht, dann ahnt sie, dass das nicht mehr viel ist, aber richtig einschätzen kann sie das nicht. Das kommt dann wohl erst die letzten Tage, dass sie merkt: übermorgen oder morgen ist wirklich gar nicht mehr weit. Aber auch wenn sie nicht wirklich weiß, wann der Abschied, sie merkt, dass das eine sehr große Veränderung ist.

Schon seit einiger Zeit merkt man an vielen Kleinigkeiten, wie schwer ihr das ganze fällt. Sie hat sich immer auf die Schule gefreut, aber vor diesem gewaltigen Schritt hat sie jede Menge Respekt. Und das ist auch nur natürlich, denn immerhin ist es ein kompletter Neustart. Für sie mehr als für andere, denn sie kommt nicht in die selbe Schule, wie die anderen Kindergartenkinder, sondern nimmt nur zwei Kameraden mit, mit denen sie im Kindergarten an sich aber nie zu tun hatte. Sie kann also auf so gut wie gar nichts Vertrautes zurückgreifen. Da ist es nur natürlich, dass sie Angst bekommt.

Um ihr diese ein wenig zu nehmen kann man den Abschied so sanft wie möglich gestalten. Daran sind nicht nur wir Eltern beteiligt, sondern natürlich auch der Kindergarten (worauf man ja leider wenig Einfluss hat). In unserem Kindergarten laufen die Vorbereitungen für den Abschied schon seit Wochen auf Hochtouren! Es wird gesprochen, gesungen, gebastelt, fotografiert, ausgesucht.

Gespräche sind wichtig für die Kinder, um sie auf die Veränderung vorzubereiten, ihnen zu zeigen, was eventuell in der Schule auf sie zukommen kann. Aber auch um sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie die bevorstehenden Aufgaben gut alleine meistern können. Und davon gibt es einige, denn Kinder neu kennenlernen sieht aus unserer Sicht in dem Alter noch einfach aus, aber so einfach ist es natürlich nicht immer.

Erinnerungen schaffen, durch die gemeinsamen Rituale, Kindergartenlieder, aber auch kleinen Kunstwerken. Ich fand ganz toll, was sich unser Kindergarten ausgedacht hat: Alle Vorschulkinder basteln sich eine Abschiedsbox. In dieser können sie selbst gemalte Bilder sammeln, sie können sie auch gestalten und sie durften alle einen Tag lang mit der Kamera durch den Kindergarten laufen und die Dinge und Menschen, die ihnen wichtig sind, fotografieren. Aus diesen Bildern haben sie ein Fotoalbum gebastelt, das auch in die Box kommt. Außerdem durften sich die Kinder drei Dinge aus dem Kindergarten aussuchen (so etwas wie Stifte, Bastelmaterial, ein Ball aus dem Bällebad oder ähnliches), die auch mit in die Box kommen. Mit der Arbeit an der Box haben sich die Kinder noch in ihrem geschätzten Raum lange auf den Abschied vorbereitet.

Und natürlich gibt es auch eine Abschiedsfeier, morgen Abend. Wir haben Rebekka anderswo untergebracht, damit wir beide Hanna begleiten können und mit ihr den Abschied feiern.

 

Veränderungen sind nicht immer leicht

Der Wechsel in die Schule ist einer von vielen Übergängen im Leben. Immer wenn wir aus einer Tätigkeit, oder Zustand in einen anderen Wechseln, steht uns so ein Übergang bevor. Davon gibt es unzählige (innerhalb der Schule, zur Arbeit und von einer Arbeitsstelle zur nächsten, aber auch vom Paar zur Familie, von der Mutter zur Oma, vom Arbeitnehmer/-geber zum Rentner etc.), aber sie werden nicht einfacher. Man könnte meinen, wenn man schon so viele Wechsel mitgemacht hat, dann hat man irgendwann den Dreh raus. Aber jeder Übergang ist etwas ganz besonderes und damit immer wieder nicht leicht zu bewerkstelligen. Trotzdem ist es wichtig, das wir so früh wie möglich lernen, mit diesen Übergängen umzugehen. Das heißt, dass wir unseren Kindern jetzt schon zeigen sollten, dass Veränderungen Teil des Lebens sind, die gemeistert werden müssen (weil es einfach gar nicht anders geht, man kann nicht immer jugendlich bleiben, oder immer arbeiten etc.).

Veränderungen heißt wieder bei Null starten. In kurzer Zeit gibt es viele Veränderungen, die verschiedene Probleme mit sich bringen und natürlich belasten können. Um die Situation, den Übergang, gut zu meistern, müssen die Kinder auch trotz der Schwierigkeiten probieren mit der neuen Situation umzugehen. Und das gelingt natürlich am besten mit uns Erwachsenen an ihrer Seite.

 

 

Mit den Gefühlen richtig umgehen

So eine Veränderung ruft bei den Kindern oft Trauer, aber auch Wut hervor, was viele nicht verstehen können. “Ach so schlimm ist es doch nicht”, “Da muss halt jeder durch”, oder “Sei doch froh, dass du endlich zu den Großen gehörst” sind dann Sätze, die öfter fallen, aber völlig unangebracht sind. Denn es ist schlimm, in den Augen der Kinder. Und nur weil jeder da durch muss, heißt das nicht gleich, dass das Kind das gut findet, oder gut mit der Situation umgehen kann.

Die Kinder verlassen ihren sicheren Raum und müssen uns blind vertrauen, dass das so gewollt ist, dass alles gut wird. Denn sie können das nicht wissen. Sie können sich vielleicht (selbst)sicher genug für diesen Schritt fühlen, sie können sich darauf vorbereiten, aber wie es ist diesen Schritt zu gehen, dass können sie nicht mal erahnen. Wir können das, wir sind ihn nämlich schon einmal gegangen, weshalb wir gerne in die Falle tappen und dieses Wissen auch unseren Kindern zuschreiben. Aber unsere Kinder müssen sich einfach auf uns verlassen, was ihnen bestimmt nicht leicht fällt, wenn wir ihre Gefühle nicht ernst nehmen. Und genau das tuen wir, wenn wir sagen “das ist doch nicht so schlimm”.

Hanna hat wahnsinnige Angst manchmal. Dann sitzt sie hier und schreit uns an, dass sie nicht erwachsen werden wird. Sie will das nicht. Dann weint sie, weil sie keine neuen Kinder kennenlernen möchte, sie hat doch genügend Freunde. Und dann schreit sie wieder, dass sie einfach nicht hingeht. Sie hat solche Angst mit einmal vor dieser Veränderung. Und es ist schwer sie zu beruhigen, denn es ist schwer für sie sich vorzustellen, dass es am Ende gar nicht so schwer ist, wie sie sich das gerade vorstellt. Und vor allem ist es leichter, alles beim Alten belassen zu wollen.

Also sind wir für sie da, beruhigen sie, reden mit ihr. Und vor allem überinterpretieren wir ihre “Ausbrüche” nicht, denn für mich hängen die ganz klar mit dem Wechsel zusammen. Auch wenn sie davon nie direkt spricht, so zeigt sie immer wieder, dass sie einfach dort bleiben möchte, wo sie gerade ist. Dass sie ihren sicheren Raum einfach noch nicht verlassen möchte. Bzw. dass ihr dieser Schritt schwer fällt, denn Hanna ist bereit. Schon zu beginn der Vorschulzeit habe ich auch immer Kindergarten die Rückmeldung bekommen, dass Hanna sich nur noch langweilt, dass der Kindergarten ihr schon lange nichts mehr bietet.

 

Nun genießen wir ihre letzte Woche und werden sie am Freitag gemeinsam mit einem Abschieds- und Anfangsessen besiegeln. Denn dann wird aus meinem Kindergartenkind ein Schulkind! (:

 

Eure Jenny

 

2 Kommentare

    • Jenny

      Vielen Dank1 Die Feier war wirklich schön und ein mehr als passender Abschied. Es ist merkwürdig, ich saß da, und war so gerührt die ganze Zeit, obwohl die kleine ja noch im Kindergarten bleibt, wir also gar nicht wirklich gehen. Trotzdem war es so traurig…Ich möchte gar nicht wissen welches Gefühlschaos dann erst in den Kleinen herrscht! 😀
      Genießt eure Zeit, bis es so bald schon dann ernst wird (:
      Liebe Grüße,
      Jenny

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