Freitagsgedanken

Mental Load und Stress im Mamaalltag – wie reduzieren?

Me Time einhalten, Mental Load einfach minimieren, Ausgleich schaffen, helfen lassen. All diese tollen Tipps lese ich immer wieder und gerade erst wieder einen Beitrag dazu: wie es dir als Mutter besser gehen kann, wie du Stress reduzierst (natürlich gibt es dafür auch einen Kurs), wenn du nur ein wenig an der Stellschraube drehst. Willkommen zu meinen heutigen Freitagsgedanken.

Mütter sind gestresst, teilweise ausgelaugt, ja sogar ausgebrannt. Stimmt. Für einige, gibt natürlich auch diejenigen denen es gut geht. Aber bleiben wir mal bei denen, die entweder durch inneren oder äußeren Druck viel zu viele Aufgaben haben und denen das nicht guttut.

Da war Me Time ja schonmal ein ganz großes Thema, bzw. ist es immer noch. Und natürlich: es ist wichtig Zeit für sich zu haben, sich um wirklich nichts anderes zu kümmern als um die eigenen Bedürfnisse. Ich halte das für die seelische Gesundheit auch für essenziell. Aber mich regen dann Menschen auf, die eben daherkommen und propagieren, dass es (eben jenen) Müttern besser gehen würde, wenn sie denn nur:

Me Time einhalten würden: Du musst das einfach mal zulassen, dass du Aufgaben abgibst oder liegen lässt!

Mental Load reduzieren, indem sie den Partner einfach aktiv einbinden: ihr müsst das nur gut absprechen!

Erwartungen runterschrauben: es muss nicht immer alles perfekt sein!

Planung ist das A und O: du musst nur alles genau planen, dann ist nichts ein Problem!

 

Ganz ehrlich, ich bekomme so einen Hals. Aber, da das hier kein #rant, sondern einfach mal ein Gedankengang sein soll, bleibe ich mal ganz sachlich und zeige euch meine Sicht auf die Dinge:

Me Time: voll gut und wirklich wichtig, wie ich schon schrieb. Aber sei mal allein mit zwei Kindern, arbeite bis 13 oder 14 Uhr, um nach Hause zu kommen, wenn dein Kind gerade nach Hause kommt, es mehr oder weniger bei den Hausaufgaben zu begleiten und sonst schon Haushalt und Nachmittag vorzubereiten, denn das andere Kind muss ja auch abgeholt werden. Von morgens bis nachmittags nichts mit me Time. Klar könnte ich mich dafür entscheiden die Kinder einfach einzusammeln und vor den TV zu setzen, damit sie auch wirklich ruhig sind und ich auch tatsächlich mal 10 Minuten bekomme (und ganz ehrlich, was bitte soll man schon Wohltuendes in 10 Minuten machen??), aber das ist nicht die Idee der Sache und das würde mir auch nicht gefallen. Also Nachmittagsprogramm mit den Kindern, bis ich abends Essen mache, irgendwann der Papa heimkommt, oder auch nicht, ich abends die Kinder bettfertig mache oder zum mindestens die Kleine begleite und dann um 20 Uhr Ruhe ist. Ruhe, damit ich Küche aufräumen kann und das halt mache, was unbedingt im Haushalt erledigt werden muss. Ich habe hier weder Familie, noch ist mein Partner verlässlich genug da, damit ich „einfach mal was abgebe“. Da ist kaum Platz für „Nimm dir einfach mal Zeit für dich!“

Ich denke da ist die Sache mit dem Mental Load auch direkt geklärt.

Also bleibt nur die Erwartungen runterzuschrauben. Gehen wir meinen Tag nochmal durch: Aufstehen: würde ich echt gerne manchmal sein lassen, aber ist wohl keine Option

Arbeiten gehen: da ist auch nichts zu machen. Klar ich habe gekündigt, aber die nächste Einkommensquelle muss her, ohne geht nicht. Ganz davon abgesehen dass ich mich natürlich auch einbringen möchte.

Nach Hause kommen und Kind versorgen: Nicht mehr für Gespräche über den Schultag bereitstehen? Kein Essen mehr machen? Nicht für Fragen bei den Hausaufgaben bereitstehen? Wo genau soll ich da runterschrauben? Wahrscheinlich beim Haushalt. Fülle ich nicht den Spüler, wasche ich nicht die Klamotten. Können die Kinder mir erzählen, wie es ist so einen Traum a la ich war nackt in der Schule in Wirklichkeit zu erleben.

Nachmittagsprogramm: ja ich gebe zu, hier könnte ich meine Erwartungen runterschrauben. Machen wir halt nichts, damit ich Zeit für mich habe. Aber das finde ich nicht befriedigend, einfach weil ich gerne Zeit mit meinen Kindern verbringe und das mit etwas ist, was mir überhaupt Energie für den Tag gibt, unsere Unternehmungen, egal wie klein sie auch sein mögen.

Abendprogramm: kein Essen machen? Nur noch Fertigprodukte? Kinder sollen allein ins Bett gehen? Keine Gutenacht Geschichte mehr für die Kleine? Essen einfach auf dem Tisch stehen lassen?

Also bleibt nur alles gut zu planen, weil abgeben kann ich ja wie gesagt schwer etwas. Mal abgesehen von bezahlten Dienstleistungen wie Putzfrau, was ich bereits habe (ändert aber nichts an den täglichen Aufgaben) und Kindermädchen. Planen. Strukturieren. Kann wirklich helfen. Aber wenn du wenige Ressourcen hast, dann hilft manchmal auch Planung nichts. Vor allem mit Kindern, wo eh alles anders kommt als geplant…

Und das ist kein Gemecker. Kein Geheul. Es ist schwer und das ist okay. Ich bin manchmal echt alle und das ist okay. Und manchmal bleibt auch die Wäsche liegen. Und manchmal bleiben wir auch bei gutem Wetter drin.

Natürlich gibt es immer Möglichkeiten, aber manchmal, und das ist was ich zeigen wollte, sind die einfach beschränkt. Man kann nicht immer „einfach mal abgeben“ oder „einfach mal weniger machen“. Und das ist, was mich daran so aufregt: mit solchen Beiträgen wird also angedeutet, dass Frauen ja selbst schuld sind, wenn es ihnen so geht, wie es anscheinend ist: ausgebrannt, alle, fertig. Weil sie ja ganz einfach etwas dagegen tun können.

Also bitte denkt nach, ob das eure Welt widerspiegelt, was ihr da von euch gebt, oder ob das wirklich allgemeingültig ist (und man dazu tatsächlich einen Kurs entwerfen kann!!). Denn mich regt das „nur“ auf, eine andere Frau bringt das vielleicht zum Verzweifeln.

 

Liebe Grüße,

eure Jenny

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