Der (neue) Kindergarten – eine schwierige Suche

Pünktlich zum Wochenende ein neuer Beitrag von mir. Diesmal habe ich mich mit dem Thema Kindergarten beschäftigt. Zuerst nur, da es für uns gerade aktuell ist und ich beschreiben wollte, auf was wir geachtet haben und was mir persönlich an dem neuen Kindergarten für Hanna wichtig war. Ich habe schon vorher festgestellt, dass ich zum Thema Kindergarten und Kinderbetreuung eine andere Meinung habe, als einige andere Eltern und Nicht-Eltern in meiner Umgebung. Aber erst bei der konkreten Suche und bei den Gesprächen, die ich während meiner Arbeit an diesem Beitrag geführt habe, ist mir aufgefallen, dass die Kindergartensuche ein Thema ist, an das die meisten erstaunlich wenig Gedanken verschwenden.

Deshalb möchte ich, bevor ich zeige, auf was ich bei der Auswahl geachtet habe, zeigen, warum es mir überhaupt so wichtig und uns allen wichtig sein sollte, ist den richtigen Kindergarten zu finden. Viel Spaß beim Lesen (:

Die Idee ist ja, dass das Kind in die Krippe oder in den Kindergarten kommt und dann dort bis zum nächsten standartgemäßen Wechsel bleibt. Dass das nicht immer geht, kann man sich leicht vorstellen und auch wir mussten nach unserem Umzug nach nur einem Jahr Kindergartenzeit für Hanna einen neuen Kindergarten suchen. Da ich gerade meine Masterarbeit schreibe und dazu schwanger bin (zur Zeit des Umzugs war es der 6. Monat), kam der Kindergartenwechsel eher ungelegen. Daher haben mir die meisten geraten, so schnell wie möglich die nächste freie Stelle zu nehmen. Für mich war allerdings schon vor dem Umzug klar, dass ich in die Suche für den neuen Kindergarten genauso viel Zeit investieren würde, wie für den Ersten. Wie oft musste ich mir anhören, dass man heutzutage eh nicht mehr die Wahl hat, da Kindergartenplätze so knapp sind wie fast nichts Anderes. Wie oft musste ich mir anhören, dass doch im Grunde eh alle gleich sind, dass die kleinen Unterschiede den Kohl auch nicht fett machen? Und wie oft musste ich mir anhören, dass die Kinder da einfach durch müssen, wenn die Eltern schnell eine Betreuung brauchen. Immerhin geht es auch oft um das finanzielle Wohlergehen der Familie. Ich möchte nicht bestreiten, dass ich in der Hinsicht echten Luxus genieße. Ich bin zu Hause und hätte Hanna auch ein halbes Jahr zu Hause betreuen können. Eigentlich sogar länger, da ich dank Babypause noch eine Weile zu Hause bleiben werde. Klar können das nicht alle, und klar, manchmal muss es schnell gehen. Aber ich frage mich, warum ausgerechnet heute, wo uns das Glück der Kinder und der Familie doch so sehr am Herzen liegt, noch die Meinung vertreten wird, dass der Kindergarten vorrangig den Bedürfnissen der Erwachsenen entsprechen muss. Er soll in der Nähe sein, damit mit dem Weg keine Zeit verschwendet wird. Der Platz muss möglichst schnell frei sein, damit man wieder in den Beruf einsteigen kann. Die Öffnungszeiten müssen dem Zeitplan der Eltern entsprechen. Wie ich schon in meinem Beitrag „Darf man heute noch Hausfrau sein“ geschrieben habe, hat man oft nicht die Wahlfreiheit, die man sich für sein eigenes Leben wünscht. Vor allem aus finanziellen Gründen kommt es oft vor, dass eine Familie nicht ein halbes Jahr auf ein Einkommen verzichten kann, nur damit das Kind in den absoluten Wunschkindergarten kommt. Das ist mir klar und möchte ich hiermit auch gar nicht unbedingt ansprechen. Sondern eher, warum uns allen bewusst ist, dass wir unseren Kindern viel bieten sollen, können wollen, damit sie eine schöne Kindheit haben, wir beim Thema Betreuung aber gewillt sind Abstriche zu machen. Denn scheinbar ist den meisten gar nicht bewusst, dass diese Abstriche vorrangig auf Kosten der Kinder gehen, nicht auf unsere. Durch das Social Media ging vor einiger Zeit der Spruch „Unser Alltag ist ihre Kindheit“. Sehr richtig! Aber genauso kann man dann doch schließen: Der Kindergarten ist Schauplatz ihrer Kindheit. Wir alle legen so viel Wert auf die Erziehung und auf die Förderung, auf das Glück und die Bereicherung unserer Kinder, warum spielt der Kindergarten dann meist nur eine Nebenrolle? Ich bin an manchen Tagen, an denen ich viel zu tun habe, erschrocken, wie wenig Zeit ich mit meinem Kind verbringe. Je nachdem, wann Hanna aufsteht, sehe ich sie, wenn ich sie erst um 4 aus der Kita holen kann, 5 bis 6 Stunden. Und in dieser Zeit muss dann  aber auch Essen vorbereitet und gegessen und natürlich bettfertig gemacht werden. Im Kindergarten war sie dann 7 Stunden. Dort hat Hanna dann einen Großteil ihres Tages verbracht. Hat dort gespielt und war dort traurig, weil jemand sie geschubst hat. Hat dort gelacht und wollte das mit jemandem teilen. Musste sich dort an (Vertrauens-)Personen wenden, weil sie einen Streit nicht alleine lösen konnte. Dort hat sie gegessen und gelernt. Mein tägliches Nachfragen im Kindergarten und bei Hanna wurde immer schon als gluckenhaft bewertet, aber ich möchte doch wissen, wie es meinem Kind geht, wenn es nicht bei mir ist. Die Zeit hat gerade erst (03.07.2016) ein Interview mit Fabienne Becker­-Stoll, der Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München, zu diesem Thema veröffentlicht. Darin sagt sie unter anderem: „Mein Eindruck ist, dass manche Eltern gar nicht so genau wissen wollen, wie es ihrem Kind in der Kita geht. Hauptsache, es funktioniert im Takt der eigenen Leistungsanforderungen.“ Und diesen Eindruck hatte ich auch oft, wenn ich mit Bekannten oder anderen Eltern über dieses Thema gesprochen habe. Aber es geht hierbei ja nicht nur um eine Zeit, die Kinder nicht zu Hause verbringen. Sondern es geht um eine Zeit, in der die Kinder auch wachsen, Erfahrungen sammeln und sich entwickeln. Dass sie dabei erheblichen Schaden nehmen können, zeigen nicht nur zahlreiche Studien (die neuste ist z.B. von 2016, in der wieder gezeigt wurde wie qualitativ minderwertig die meisten Krippen und Kindergärten sind) oder Artikel (z.B. der Aufruf zu einer Umfrage zu Kindergärten und Krippen, der dem Interview vorausging). Ich denke die meisten Eltern ahnen, dass es nicht ok ist sein Kind weinend in den Kindergarten zu zerren und es dort weinend zu lassen. Es sind Warnzeichen, dass etwas nicht richtig läuft, was aber meistens mit Aussagen, wie „Die beruhigt sich schon wieder“, „alle Kinder machen das durch“, oder „es geht halt nicht anders, Mama hat Termine“  abgetan werden. Ich persönlich fand schon immer, dass es ein schlechtes Zeichen ist, wenn die Kinder einfach weinend von ihren Eltern weggezogen werden, damit die Eingewöhnung z.B. vorwärts geht. Ein offen rauer Umgang mit den Kindern, das herunterspielen von Gefühlen, oder das nicht- eingehen auf Kinder ist ein absolutes Nogo. Die emotionalen Aspekte bei der Betreuung sind aber nur Teil einer Liste, die ich bei der Suche beachtet habe.

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Mir persönlich sind viele Aspekte wichtig, wenn es um einen geeigneten Kindergarten geht. Da Hanna nun schon bei einer Tagesmutter und in einem Kindergarten war, habe ich allerdings auch Vergleichswerte, und meine einschätzen zu können, was für Hanna passend ist. Das sich nicht alle meine Wünsche umsetzen lassen und ich auch Abstriche, oder wenigstens Kompromisse machen musste, war mir klar. Aber diese habe ich auch tatsächlich nur bei Dingen gemacht, die für mich keine Priorität hatten. Kommen wir also jetzt dazu, wie ich den neuen Kindergartenplatz gesucht habe und was mir dabei wichtig war.

 

Ich denke ich spreche für ganz Deutschland wenn ich sage, dass Kindergartenplätze knapp sind. Hier im Allgäu kommt mir die Lage noch etwas schwieriger vor, dass kann aber täuschen. Weil man als gut informierte Mutter sowas allerdings weiß, habe ich natürlich schon lange vor dem Umzug angefangen Kindergärten zu suchen. Etwas schwierig sich schon auf eine wenige einzustellen, da ich noch keinen Führerscheinhabe und der Kindergarten somit mit dem Fahrrad, Bus oder zu Fuß zu erreichen sein muss. Aber wenn man noch gar nicht weiß, in welche Ecke man überhaupt zieht? Dann bleibt es erst mal bei einer langen Liste von Kindergärten. Als ich die Listen durchgegangen bin, konnte ich für mich ein paar Kindergärten ausklammern: religiöse Kindergärten, bzw. Kindertagesstätten mit kirchlichem Träger und Hintergrund. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, aber da ich nicht gläubig bin und wir auch derart nicht zu Hause praktizieren (na gut, Weihnachten und Ostern :D), würde ich anderen Kindergärten den Vorrang geben. Dasselbe gilt für Kindergärten mit besonderen Konzeptionen bzw. Ausrichtungen. Heute gibt es ja zum Glück eine Fülle an staatlichen, privaten, alternativen oder „stinknormalen“ (großes Fass, was ist das schon?) Kindergärten. Also, wenn man Montessori, Waldorf oder ähnliches sucht, wird man meistens auch fündig. Also ein Kriterium: die Konzeption des Kindergartens. Da Hanna sich sehr für den Grund, den Aufbau und die Funktion verschiedener Gegenstände, Phänomene, Tiere etc. interessiert und ihre Zeit lieber mit experimentieren als mit Spielen verbringt, war es für mich wichtig, dass der neue Kindergarten dementsprechend was zu bieten hat. Ich möchte ja sichergehen, dass Hanna bei ihren 4692 Warum Fragen auch geholfen werden kann 😀 Reine Montessori-Kindergärten gibt es leider bei uns nicht, aber Kindergärten, die einen Hauch der Montessori Pädagogik und Ausstattung haben, und diese habe ich dann bevorzugt angeschaut.

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Nachdem wir dann wussten, wohin wir ziehen, habe ich die Liste wieder raus gekramt und angefangen die Kindergärten ein wenig zu sortieren, also meine Top 10 zu erstellen, erst mal basierend auf dem Wohnort und die von dort gut zu erreichenden Kindergärten. Also mein zweites Kriterium für die Suche: die Entfernung zum Wohnort. Und dann hieß es: „Hallo, ich bin auf der Suche nach einem Kindergartenplatz für meine Tochter.“ Und das gefühlte 187394 Mal. Da wurde die Liste dann auch schon ganz schnell kleiner, denn die Antwort war so gut wie immer: „Es tut uns leid, aber wir haben derzeit keine freien Plätze“.

Ja derzeit. Da kommt noch ein Kriterium ins Spiel: wie lange ist man bereit auf den Platz zu warten, bzw. bis wann braucht man den Kindergartenplatz? Denn es ist natürlich ein gehöriger Unterschied ob man sofort, zu September (bei uns etwa ein halbes Jahr nach dem Umzug), oder zu einem beliebigen Zeitpunkt einen Platz braucht. Ein Kindergarten meiner Wahl hatte mir durchaus angeboten mich auf die Liste zu setzen und mich zu kontaktieren, aber das könne gut bis September 2017 dauern. Ja gut ich warte gerne auf einen Kindergartenplatz, wenn dieser mir gut gefällt, aber 1 ½ Jahre? Nicht zu vergessen, dass Hanna schon 4 ist und nur noch 2 (1/2) Jahre Kindergarten vor sich hat. Da macht es also wenig Sinn 1 ½ Jahre zu warten (leider). Bei den meisten Anderen, die mir schlechte Karten zugesichert hatten, die mir aber gut gefallen haben, bin ich einfach hartnäckig geblieben und habe gefragt, ob ich den Kindergarten nicht trotzdem anschauen könne. Ich kenne viele, die es dann nämlich bei dem einen Telefonat belassen und dann weitersuchen. Ich war aber schon immer davon überzeugt, dass es sich lohnt sich persönlich bei etwas vor zu stellen, was man wirklich möchte; und das nicht nur bei der Kindergartensuche. Hannas ersten Kindergartenplatz habe ich auch so bekommen. Bei dem ersten Telefonat hat man mir versichert, dass ich zwei Jahre auf den Platz warten muss. Als ich mit Hanna da war hieß es, dass unter dem Jahr ja auch manchmal Kinder weg wechseln und dass ich mich auf etwa ein Jahr Wartezeit einstellen müsste. Mir hat der Kindergarten aber sehr gefallen, was ich auch allen zuständigen Mitarbeitern gesagt habe. Und zwei Wochen später hatte ich einen Platz. Natürlich hat da eine Menge Glück mit reingespielt, aber durch das persönlich Gespräch sind wir eher im Gespräch geblieben, als durch ein bloßes Telefonat.

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Nach der groben Vorauswahl ging es dann an die „Feinarbeit“. Die Kindergärten, bei denen ich von sofort bis September 2016 (wahrscheinlich) einen Platz haben konnte, habe ich zusammen mit Hanna zuerst angeschaut. Natürlich war das oft schwierig, weil man sich schlechter Konzentrieren, bzw. die Aufmerksamkeit nicht voll auf das Gespräch im Kindergarten legen kann, aber mir war es auch wichtig dass Hanna sich wohl fühlt. Sie ist immerhin alt genug, um ihre Gedanken und Gefühle, genauso wie ihre Wünsche zu äußern.

Also sind wir die Liste durchgegangen und haben weitere Kriterien „überprüft“, die für uns wichtig waren: Wie sind die Kindergartengruppen organisiert? Hanna spielt lieber mit älteren Kindern und geschlossene Gruppen sind daher für sie nicht so günstig, da sie dort eher mit jüngeren Kindern in einer Gruppe wäre. Auch die Möglichkeiten, die der Gruppe geboten werden, sind für uns wichtig. In unserem „alten“ Kindergarten konnte Hanna eine Tanz Kurs (Tücher schwenken und Popowackeln) besuchen, an besonderen Nachmittagen mit Senioren singen oder basteln und regelmäßig turnen und musizieren. Das war natürlich alles freiwillig, aber genau was Hanna gefallen hat. Deswegen wollten wir auch im „neuen“ Kindergarten ein wenig Auswahl haben. Es lohnt sich dort nachzufragen, denn manchmal gibt es die Angebote zwar, aber sie sind altersbeschränkt.

Als letztes Kriterium war dann ganz schlicht und einfach unser Gefühl, der erste Eindruck, den wir von dem Kindergarten hatten. Erstaunlich oft sind Hanna und ich aus einem Kindergarten rausgekommen, haben uns angeguckt und meinten beide nur: neee. Der ist es nicht.

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Am Ende ist es ein Kindergarten geworden, der etwas weiter von uns zu Hause weg ist, bei dem wir alle aber sofort ein gutes Gefühl hatten. Es gibt offene Gruppen und 5 Themenräume, die wirklich alles abdecken, was Kinder gerne machen. Der Garten ist meistens zugänglich und super gestaltet. Wenn Hanna also Lust hat draußen zu spielen, dann kann sie das und muss sich nicht wie im alten Kindergarten an die Gartenzeiten halten. Ich war sehr begeistert von diesem Kindergarten und wir hatten wieder etwas Glück, denn es konnte so arrangiert werden, dass Hanna sofort aufgenommen wurde. So war sie nach dem Umzug nur 1 ½ Monate zu Hause und konnte dann endlich neue Kinder kennenlernen und spielen. Die Eingewöhnung hat 3 Tage gedauert. Natürlich, weil Hanna schon etwas älter ist und man mehr mit ihr reden und ihr mehr erklären kann. Aber auch, und davon bin ich überzeugt, weil sie einfach gut in diesen Kindergarten aufgenommen wurde. Es hat ihr von Anfang an gefallen und der Umgang in diesem Kindergarten ist auch sehr herzlich und unterstützend. Ich denke ich habe mit diesem Kindergarten eine gute Wahl getroffen und bringe Hanna mit gutem Gewissen hin!

 

Ich hoffe euch hat der Artikel gefallen. Lasst gerne einen Kommentar da, oder folgt uns auf Instagram (:

Ein schönes Wochenende,

 

eure Jenny

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